"Eine der größten Herausforderungen ist das Aushalten-Können"

Georg Schmitz begann 1982 sein Theologiestudium in Bonn und wurde 1989 zum Priester geweiht. Mit seinem Amt einhergehend, arbeitet er seither auch als Seelsorger in seiner Gemeinde und steht Menschen in belastenden Lebenssituationen zur Seite.

Dank seiner Berufs- und Praxiserfahrung betreut Schmitz nun den Lehrgang zum Seelsorger an der ALH-Akademie und bereichert die Seminare mit seinem Wissen. Im Interview erzählt er über die Herausforderungen seines Berufs als Seelsorger, seine Arbeit in der Behindertenhilfe und seine Tätigkeit als Dozent an der ALH-Akademie.

 

Dozent ALH Seelsorger Schmitz

Sie arbeiten als Seelsorger, wie kamen Sie auf diesen Beruf?

Das kam vor allem durch die aktive Jugendarbeit, mit der ich in der katholischen Kirche in Düsseldorf groß geworden bin. Es war eine tolle Zeit, in der Glaube und Leben ineinander spielten. Dadurch kam der Wunsch auf, Priester zu werden und damit einhergehend auch Seelsorger.

 

Wie sah Ihr bisheriger Werdegang aus?

Für mich begann es 1982 mit dem Theologiestudium in Bonn – ein fünfjähriges Studium mit abschließendem Diplom. Als Diplomtheologe folgte anschließend die pastoral ausgerichtete Ausbildung im Erzbistum Köln, wo ich 1988 zum Diakon und ein Jahr später auch zum Priester geweiht wurde. In dieser Zeit war ich in meinen Funktionen als Diakon und Priester immer auch schon als Seelsorger in der Gemeindearbeit tätig.

 

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag als Seelsorger aus?

Heute bin ich in erster Linie in der Behindertenhilfe tätig und habe als Aufgabengebiete die Ethik und die Seelsorge. Ich begleite Menschen, die eine lebensverkürzende Diagnose erhalten haben oder sterbend sind, bis hin zur Beerdigung. Ich begleite auch die trauernden Menschen, seien es in diesem Fall die Klienten in der Behindertenhilfe oder die Mitarbeiter und stehe ihnen in diesen Lebenssituationen bei. Mein Arbeitsalltag sieht konkret so aus, dass ich die Teams bei unserem Träger besuche, mich persönlich bekannt mache und die persönliche seelsorgliche Begleitung anbiete.

 

Was sind besondere Herausforderungen Ihres Berufs?

Die Herausforderungen sind, dass es immer wieder neu notwendig ist, sich auf den Menschen der mir gegenüber-tritt einzulassen, sich neu zu orientieren und in jedem Fall auch zuzuhören. Eine der größten Herausforderungen ist auch das „Aushalten-Können“, da es sich oft um belastende Themen und Lebenssituationen handelt, die man von jetzt auf gleich nicht ändern kann.

 

Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften sollte man mitbringen, wenn man Seelsorger/ Seelsorgerin werden möchte?

An aller erster Stelle muss man selber in seinem eigenen Glauben soweit orientiert und gestärkt sein, dass man das, was man tut, auch wirklich aus seinem persönlichen Glauben heraus tut. Hinzu kommt, sich Kompetenzen anzueignen. Sei es die Gesprächsführung, das Glaubenswissen oder theologisches Wissen um gezieltere Fragen, die dann auch Religion betreffen, einordnen zu können. In der Wirkung bei den Menschen ist es besonders wichtig, selbst authentisch zu sein, zu dem zu stehen wer man ist und was man kann, seine Grenzen zu kennen und empathisch auf den Menschen einzugehen.

 

Sie halten Praxisseminare an der ALH-Akademie im Lehrgang „Seelsorger“, wie kam es, dass Sie Ihr Wissen als Dozent weitergeben?

Das kam über einen Studienfreund, der selbst an der ALH- Akademie tätig war und mich, als der Seelsorge Lehrgang neu aufgelegt wurde, fragte, ob ich nicht auch Lust hätte mitzuwirken. Daraus ergab sich dann, dass ich anfing Studienbriefe für den neuen Lehrgang zu schreiben. Diese Gelegenheit habe ich genutzt, um meine letzten 30 Jahre Berufserfahrung zu reflektieren und habe es als willkommene Gelegenheit gesehen mein bisheriges Wissen weiter-zu-geben.

 

Was gefällt Ihnen besonders an der Tätigkeit als Dozent an der ALH-Akademie?

Besonders gefällt mir die Möglichkeit, immer wieder neu über religiöse, theologische sowie seelsorgliche Fragen nachzudenken und gefragt zu werden. Mit jeder Frage ist auch immer wieder ein neuer Abgleich zwischen Wissen und Lebenswirklichkeit erforderlich - also die freiwillige und nicht ganz so freiwillige Konfrontation mit Lehre und Leben. Besonders reizvoll ist hier die Begleitung der Präsenzphasen. Durch den Austausch mit den Studierenden wird das Thema oft sehr konkret und ich persönlich finde es besonders spannend, wie groß die Vielfalt des christlichen Lebens ist und was die Motivationen unserer Teilnehmer, Seelsorge zu betreiben, sind.

 

Welche Themenschwerpunkte setzen Sie in Ihren Seminaren an der ALH-Akademie?

Die Themenschwerpunkte ergeben sich aus den verschiedenen Feldern der Seelsorge. Wie sind die sozialpsychologischen Zugänge in der Seelsorge? Wie lässt sich das Erlernte der Studierenden auch in der Praxis einordnen und anwenden? Oft ist die Vorerfahrung der Studierenden eher gering und es ist immer wieder spannend sein eigenes Wissen weiterzugeben, auszutauschen und zu reflektieren. Auch das Ermutigen der Studierenden, den Weg Richtung Seelsorge zu gehen, ist mir sehr wichtig.

 

Wie versuchen Sie die Inhalte anschaulich an die Seminarteilnehmer weiterzugeben?

Durch Fallbespiele; konkrete Lebenssituationen, die ich selbst aus meiner eigenen Tätigkeit als Seelsorger kenne. Sei es nun aus der Behindertenhilfe, aus der Sterbe- und Trauerbegleitung oder aus der Gestaltung von Zeremonien zur Feier von Lebenswendepunkten. Im Rahmen der Präsenzseminare besuche ich mit den Studierenden auch Seelsorge-Angebote der katholischen und evangelischen Kirche hier in Köln. So kommen die Studierenden direkt hautnah mit der Seelsorge in Kontakt, können sich ein Bild von dem Berufsfeld machen und das Seminar wird zusätzlich etwas aufgelockert.

 

Haben Sie noch abschließende Worte, die Sie Interessenten oder Teilnehmern des Lehrgangs zum Seelsorger/ zur Seelsorgerin mitgeben möchten?

Wenn jemand verspürt, seelsorglich tätig sein zu wollen, sollte er es tun. Denn Seelsorger sein kann jeder! Es ist nur sehr wichtig, sich gewissenhaft zu verdeutlichen, warum man dieser Tätigkeit nachgehen will, sich zu verankern und sich eine Basis zu schaffen. Man sollte sich nicht von bestehenden Strukturen abschrecken lassen, wie sie zum Beispiel in den bestehenden Kirchen vorherrschen. Seelsorger zu sein - auch christlicher Seelsorger zu sein - ist nicht an ein Amt gebunden.

 

Hier findest Du alle Informationen zum Lehrgang "Seelsorger".

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