Interview mit Stefanie Dinges

Absolventin - Psychologischer Berater & Suchtberater 

In welcher persönlichen und beruflichen Situation warst Du vor Deiner Ausbildung und was hat Dich motiviert, etwas Neues zu wagen?
Bevor ich mit der Ausbildung zur Psychologischen Beraterin und später auch zur Suchtberaterin bei der ALH begonnen hatte, war (und bin ich noch heute) in einem mittelständischen Unternehmen im Bereich Marketing tätig.

Wann kam der Augenblick, in dem Du das erste Mal überlegt hast, Dich selbstständig zu machen? 
Heute bin ich 59 und ich war schon mit 21 das erste Mal selbständig mit einem kleinen Einzelhandelsgeschäft.
Mit 37 habe ich mich wieder in die Selbständigkeit begeben und hatte eine kleine Werbe- und PR-Agentur. 10 Jahre lang war ich gerne aber eben immer „ständig“ am Arbeiten. Diese Selbständigkeit führte zum ersten Burnout. Danach krempelte ich mein Leben um und ich habe nur noch mit halber Kraft – im wahrsten Sinne des Wortes - gearbeitet. 

2018, bevor ich meine Ausbildungen bei der ALH begonnen hatte, war ich wieder an dem Punkt der Depression und Unzufriedenheit und hatte ein Gefühl, unausgefüllt zu sein, wie die beiden Male vorher auch. Aber ich habe dieses Mal einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Endlich etwas tun, das sinnstiftend ist, etwas das mir und anderen Menschen wirklich weiterhilft. Aber dahin kam ich erst, als ich aufgehört habe einen neuen Job zu suchen, der zu mir passt und den ich offensichtlich nicht finden konnte. Perspektivwechsel sozusagen. Ich habe mich gefragt, was möchte ich die nächsten Jahre tun, um auch nach der Notwendigkeit, Geld verdienen zu müssen, immer noch Sinn im täglichen Tun zu finden.

Wie lange dauerte es dann, bis Du diesem Gedanken gefolgt bist und wie sahen Deine ersten Schritte in die Selbstständigkeit aus?
Vom ersten zarten Gedanken daran bis zum Absenden der Anmeldung – für meine Verhältnisse ging das in rasender Geschwindigkeit – vergingen nur etwa drei Monate. Begonnen hat alles mit einem SKOLL-Training in der Fachambulanz der Caritas Wiesbaden. Teilnehmer waren Menschen, die ihrem Zuviel an Alkohol, Spielen, Rauchen etc. auf den Grund gehen wollten. In diesem Seminar hatte ich ständig das Gefühl, mehr auf die Seite der Trainerinnen zu gehören, als auf die Seite der Teilnehmer. Mir hat das sehr gefallen, wie diese beiden Frauen das Training geleitet hatten. „So etwas möchte ich auch tun!“ war meine Erkenntnis des Trainings. 
Im April 2019 ging es dann schon los an der ALH. Mit der Ausbildung zur Psychologischen Beraterin habe ich die Basis geschaffen. Schon in den ersten Ausbildungswochen habe ich meine Praxisräume visualisiert, eine Webseite begonnen aufzubauen und die ersten groben Beratungskonzepte ausgearbeitet. 2020 schloss sich die Ausbildung zur Suchtberaterin an. Ende 2020 / Anfang 2021 durfte ich meine ersten Klienten in meinen Räumen empfangen und bin seit dem zu finden unter: www.loslegenlernen.com/.

Gab es Momente, in denen Du am liebsten alles abgebrochen hättest? Wenn ja: Wie bist Du mit diesen Situationen umgegangen und vor allem, wie hast Du es dann geschafft, weiterzumachen?
Es gab und gibt immer Zeiten, in denen ich Durchhänger habe und am Zweifeln bin. Mir hilft es, mich mit Kommilitoninnen und Kolleginnen auszutauschen und deren Erfahrungen mit Misserfolgen, Zeiten des Stillstandes und Zweifeln zu hören. Und wenn gar nix mehr geht: Einfach mal alle Fünfe gerade sein lassen und eine Auszeit nehmen. Nach einem solchen Wochenende (wenn mehr Zeit nicht ist) kann ich immer wieder neu durchstarten, kann Dinge neu bewerten, weil ich Abstand gewonnen habe und finde wieder den Weg, auf dem es irgendwie und oft irgendwie besser als vorher weitergeht.

Erzähl uns doch gerne ein wenig über Deine Beratung: Was bietest Du an und wer kann zu Dir kommen?
Jeder kann eine Erstberatung erhalten, in der ich zumindest weiterhelfe, indem ich an fachkundige Spezialisten weiterverweise. Oft muss ich den Unterschied zwischen Psychologischer Beratung und Psychotherapie erklären.
Ich bin spezialisiert auf Resilienz-Trainings, berufliche Veränderung, Suchtberatung und überbrückende Gespräche bis zum Start einer Psychotherapie. 
Resilienz-Trainings biete ich in zwei Varianten an: Den Kurz-Workshop mit 4 Einheiten und den Intensiv-Workshop mit 8 Einheiten, der im günstigsten Fall auch 8 Wochen dauert, denn Veränderung braucht Zeit und Raum.
Bei der beruflichen Veränderung steht das persönliche Wachstum im Mittelpunkt. Hier gehe ich individuell auf die Wünsche und Anforderung ein. 
Beim sensiblen Thema Suchtberatung geht es mir darum, Klienten einen bewussten Umgang mit Sucht/-Genussmitteln nahezubringen. Es geht nicht um Abstinenz, sondern um den gesunden Umgang damit. Bad Habits haben sicher die meisten von uns. Da ist mein Ansatz.

Welchen Tipp würdest Du Dir rückblickend an die Hand geben, wenn Du noch einmal mit Dir zu Deinen Anfangszeiten sprechen könntest? 
Ich würde mir sagen: Du schaffst das!  Lass Dich nicht verrückt machen, durch die vielen neuen Fachausdrücke. Du musst nicht perfekt sein, Du musst nicht alles wissen, Du musst nur wissen, woher und von wem du die wichtigen und richtigen Informationen erhältst.