Interview mit Vera Brandt

ALH Absolventin Polina Goldberg

Polina Goldberg- Absolventin Psychologische Beraterin

Was hat Dich dazu bewegt, eine Ausbildung als Psychologische Beraterin zu starten? Gab es einen bestimmten Moment oder ein Erlebnis, das Dir gezeigt hat: Jetzt ist die Zeit für Veränderung?

Zu dieser Entscheidung haben mich mehrere Faktoren geführt. Psychologie faszinierte mich lange, bevor ich sie zum Beruf gemacht habe.

Als ich in der Architekturkommunikation und -presse tätig war, fand ich diese Fragen spannend: Weshalb reagieren Menschen auf bestimmte Orte oder Gebäude so unterschiedlich? Was berührt sie, was schreckt ab? Und warum? Gleichzeitig schreibe ich mein Leben lang reflexiv, führe eine Art innere Dialoge mit mir selbst. Mein Verhältnis zum Wandel spielte eine wichtige Rolle: frühe Emigration, Umzüge und die andauernde Suche nach einem Zuhause, zunächst im Außen. Irgendwann erkannte ich, dass es vor allem um mein Inneres geht. In dieser Phase half mir eine psychologische Begleitung enorm weiter.

Diese positive Beratungs-Erfahrung brachte alle Fäden zusammen: Mein Wunsch, selbst in diesem Feld wirksam zu sein, wurde geboren. Ich wollte Menschen begleiten und ihnen helfen, mehr innere Balance und eine offene, positive Haltung gegenüber Veränderungen zu finden.

Wo standest Du persönlich und beruflich, bevor Du mit der Ausbildung begonnen hast – und was hat Dich motiviert, diesen neuen Schritt zu gehen?

Es war eine Phase großer Umbrüche – beruflich, privat, örtlich. Ich war noch in einem Anstellungsverhältnis, wo vieles funktionierte. Doch innerlich spürte ich eine wachsende Sehnsucht nach mehr Erfüllung und Sinn in dem, was ich tue. Ich war gerade erst ein Jahr in Mailand und noch mittendrin im Ankommen: neue Sprache, neue Kultur, neue Menschen.

Jeden Tag stellte ich mir die gleiche Frage: Was will ich eigentlich wirklich? Wie soll es weitergehen – und zwar nicht nur für das nächste Jahr? Es fühlte sich an wie ein Schwebezustand zwischen zwei Welten: Die eine kannte ich gut und wollte nicht erneut dorthin zurück. Die neue Welt, in der Psychologie die Hauptrolle spielte, zeichnete sich erst ab. Und ich dachte: jetzt oder nie.

Warum ist Deine Wahl auf die ALH-Akademie gefallen? Was hat Dich an unserem Konzept überzeugt?

Ich hatte bereits ein Studium hinter mir und wusste, dass ich diesmal einen anderen Weg gehen wollte – mit praxisnahen, fundierten Inhalten und einem Rahmen, der zu meinem Leben passt. Bei solchen Entscheidungen bin ich langsam, beobachte, wäge ab. Intuitiv wusste ich jedoch schnell: Das ist der richtige Ort. Der Auftritt der ALH hat mich sofort angesprochen – frisch, einladend und dabei professionell. Keine abschreckende Bürokratie oder kühle institutionelle Distanz.

Und zudem die Menschen an der ALH. Die Tutoren, Prüfende, das gesamte Team strahlt genau das aus, was ich von Anfang an gespürt hatte: Offenheit, Fachlichkeit und echte Menschlichkeit.

Konntest Du die Ausbildung gut in Deinen Alltag integrieren?

Ja, das ging ohne Probleme. Ich habe von anderen Ausbildungen gehört, wie herausfordernd sie organisatorisch sein können. Gerade für Menschen wie mich – in Phasen des Wandels – sind starre Strukturen keine Option. Die ALH denkt da anders. Die Ausbildung passt sich dem Leben an – ohne dabei auf Tiefe oder fachliches Fundament zu verzichten.

Das Blended-Learning hat mir ermöglicht, die Ausbildung in einer Lebensphase zu absolvieren, die alles andere als ruhig war: Freelancerin mit Kleinkind, ohne routinierten Alltag. Dass ich nicht nur begonnen, sondern erfolgreich abgeschlossen habe, verdanke ich unter anderem dieser Flexibilität.

Was hat Dir während der Ausbildung besonders gut gefallen? Gab es ein Thema oder ein Seminar, das Dich besonders berührt oder begeistert hat?

Das dreitägige Seminar „Systemische Methoden“ ist mir besonders in Erinnerung geblieben – und unsere Dozentin Sabine Schöffler. Sie und ihre Art zu vermitteln haben mich inspiriert, und systemische Methoden begleiten mich bis heute in meiner Arbeit.

Was mich sehr angesprochen hat, war das Üben in Kleingruppen während der Webinare – das echte Erleben von Beratungsprozessen. Für die spätere Arbeit mit Klienten ist das unersetzlich.

Inhaltlich zog es mich besonders zu den Themen Achtsamkeit, Resilienz und Stressbewältigung, besonders zu Ansätzen, die Körper und Geist als Einheit betrachten.

Was hat sich seit der Ausbildung für Dich verändert – beruflich wie auch persönlich? Was ist Dein Ziel für die nächsten Jahre?

Ich habe noch während der Ausbildung begonnen, meine ersten Sessions zu halten – Selfcare-Räume mit Fokus auf therapeutisches Schreiben. Heute richten sich diese Online-Räume an Frauen, die in Veränderungsphasen stehen und dabei wieder zu sich selbst finden wollen. Parallel begleite ich Menschen in individuellen 1:1-Sessions. Diese Arbeit erfüllt mich zutiefst und ich möchte damit möglichst viele Menschen erreichen. Denn ich bin überzeugt: Veränderung und Wandel werden uns alle mit wachsender Intensität beschäftigen. Die Fähigkeit, in solchen Momenten standhaft zu bleiben, den inneren Kern zu stärken und sich selbst zu halten – das ist unsere Basis.

Ich möchte meine Angebote weiterentwickeln, neue Formate gestalten und gern mit Institutionen und Unternehmen zusammenarbeiten, die Selfcare und psychische Gesundheit nicht als Nice-to-have, sondern als echten Baustein ihrer Kultur verstehen.

Gibt es bestimmte Methoden oder Techniken aus der Ausbildung zur Psychologischen Beraterin, die Du auch für Dich selbst nutzt?

Ja, einige. Ich kreiere dabei oft eine Verbindung mit Schreiben, was sich mit vielen Methoden wunderbar kombinieren lässt. Das Innere Team, die Arbeit mit den Glaubenssätzen, Achtsamkeits- und Imaginationstechniken schätze ich sehr.

Beim Ausprobieren der Methoden spüre ich allerdings einen Unterschied: Ob man allein arbeitet oder begleitet wird, spielt eine große Rolle. Es ist wie beim Yoga: Zuhause auf der Matte ist es schön, doch in einer guten Klasse, mit der richtigen Atmosphäre und einer erfahrenen Lehrerin, entsteht etwas qualitativ anderes. Das gilt für die innere Arbeit genauso: Am Ende einer Übung nicht allein zu sein, die Ergebnisse gemeinsam zu reflektieren und einzuordnen – genau darin liegt oft der eigentliche Schritt nach vorne.

Was würdest Du jemandem sagen, der oder die mit dem Gedanken spielt, die Ausbildung zur Psychologischen Beraterin an der ALH zu starten?

Wenn Du Dich ohnehin schon hingezogen fühlst – dann mach den ersten Schritt, probiere es aus. Du bekommst eine solide Basis und immer wieder Impulse zum Weiterdenken und Weiterwachsen. Die ALH ist modern, fachlich stark – und man fühlt sich dort wirklich gut aufgehoben.

Bildrechte: Andrea Rossetti