Interview mit Melanie-Christine Kuhles

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Melanie-Christine Kuhles - Absolventin Paarberaterin

Starten wir mit Deiner persönlichen Geschichte: Was hat Dein Interesse an Beziehung, Partnerschaft und Paarberatung geweckt?
Eigentlich waren es meine Brautpaare. Ich arbeite schon seit vielen Jahren als freie Traurednerin und führe dabei natürlich sehr persönliche Gespräche mit Paaren. Man spricht über das Kennenlernen, über gemeinsame Jahre, über schöne und manchmal auch über schwierigere Zeiten. Und wenn eine Traurede wirklich persönlich werden soll, braucht es dafür ziemlich viel Vertrauen.

Irgendwann haben mich nach solchen Gesprächen die ersten Paare gefragt: „Dürfen wir uns eigentlich auch später noch einmal bei Dir melden, wenn bei uns mal Themen aufkommen?“

Zuerst dachte ich einfach: Klar, natürlich. Dann kam diese Frage wieder. Und wieder. Und irgendwann dachte ich: Okay, Melanie. Bevor jetzt tatsächlich eines dieser Paare anruft und Du hier fröhlich „Klar!“ gesagt hast, solltest Du vielleicht auch fachlich verstehen, was Du da tust.

Das war tatsächlich der Anfang. Ich wollte eine fundierte Basis haben, bevor ich Menschen auch außerhalb meiner Tätigkeit als Traurednerin in solchen Gesprächen begleite.

Gab es einen konkreten Moment, in dem Du entschieden hast: Ich möchte mich in diesem Bereich weiterbilden?
Es war weniger dieser eine Moment als die Wiederholung dieser Frage durch meine Brautpaare. Beim ersten Mal nimmt man das als schönes Kompliment wahr. Wenn es immer wieder passiert, beginnt man irgendwann darüber nachzudenken.

Mir war ziemlich schnell klar, dass Vertrauen und ein gutes Gespür für Gespräche eine tolle Voraussetzung sind, für mich allein aber nicht ausreichen würden. Wenn Menschen sich mit ihren Beziehungsthemen an mich wenden, wollte ich ihnen auch mit einem fundierten Wissen begegnen können.

Also habe ich angefangen, nach Ausbildungen zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich übrigens überhaupt noch nicht, was sich daraus später einmal entwickeln würde. Ich wollte zunächst schlicht eine vernünftige fachliche Grundlage für etwas schaffen, das sich durch meine bisherige Arbeit ganz natürlich ergeben hatte.

Warum hast Du Dich für die ALH-Akademie entschieden? Was war Dir bei der Wahl der Ausbildung wichtig?
Ich habe damals tatsächlich verschiedene Anbieter miteinander verglichen. Mir waren eine fundierte Ausbildung, gute Inhalte und natürlich auch die Möglichkeit wichtig, das Ganze mit meiner bestehenden Arbeit zu verbinden.

Warum es am Ende genau die ALH geworden ist, kann ich gar nicht an einem einzelnen Punkt festmachen. Das Gesamtpaket hat mich einfach angesprochen. Aufbau, Auftreten, Inhalte. Es hat sich für mich schlichtweg stimmig angefühlt.

Das klingt jetzt vielleicht weniger analytisch, als man es bei einer solchen Entscheidung erwarten würde, aber manchmal ist es tatsächlich so: man schaut sich sehr viel an, vergleicht und merkt irgendwann, wo man hängenbleibt. Bei mir war das die ALH. Und rückblickend war das eine ziemlich gute Entscheidung.

Inwiefern hat die Ausbildung Deinen Blick auf Beziehungen und zwischenmenschliche Dynamiken verändert?br/> Die Ausbildung hat meinen Blick vor allem deshalb verändert, weil Paarberatung ja viel früher beginnt als beim eigentlichen Paarproblem. Wenn zwei Menschen eine Beziehung eingehen, kommen sie dort schließlich nicht als unbeschriebene Blätter an. Beide bringen ihre Geschichte mit, ihre Erfahrungen mit Nähe und Bindung, ihre familiären Rollen, Vorstellungen, Erwartungen und vieles, was irgendwann ganz selbstverständlich geworden ist.

Genau dieser Blick zurück an die Basis hat bei mir unglaublich viel ausgelöst. Denn plötzlich wird verständlicher, warum zwei Menschen dieselbe Situation so unterschiedlich erleben können oder warum etwas, das für den einen vollkommen harmlos erscheint, beim anderen eine sehr starke Reaktion auslöst.

Und je mehr Gespräche ich geführt habe, desto deutlicher wurde mir, dass sich viele Themen gar nicht sauber voneinander trennen lassen. Irgendwann geht es in einer Paarberatung vielleicht nicht mehr ausschließlich um die Partnerschaft. Dann geht es um das Familienleben, um Eltern, um Kinder, um alte und neue Rollen oder darum, wie sich eine ganze Dynamik verändert, wenn einer anfängt, etwas anders zu machen.

Ich glaube, die Ausbildung hat mir damit vor allem eine Tür geöffnet. Dahinter wurde das Thema Beziehung für mich immer größer – weit über die klassische Paarbeziehung hinaus.

Konntest Du Inhalte aus der Ausbildung auch in Deinem eigenen Alltag oder Deinen persönlichen Beziehungen anwenden?
Absolut. Wobei „anwenden“ bei mir gar nicht bedeutet, dass ich seitdem mit einem inneren Paarberater-Handbuch durch mein Privatleben laufe. Das wäre vermutlich für alle Beteiligten ziemlich anstrengend.

Was sich verändert hat, ist mein Blick. Ich hinterfrage meine eigene Wahrnehmung schneller und kann eher erkennen, wenn eine Reaktion vielleicht nicht ausschließlich mit der aktuellen Situation zu tun hat.

Und ich finde es heute viel selbstverständlicher, unterschiedliche Wahrnehmungen nebeneinander stehen zu lassen. Zwei Menschen können dieselbe Situation vollkommen unterschiedlich erleben, ohne dass automatisch einer davon falschliegen muss. Das hilft beruflich enorm. Privat übrigens auch.

Welche Erkenntnis aus der Ausbildung ist Dir bis heute besonders im Gedächtnis geblieben?
Eine der wichtigsten Erkenntnisse war für mich wahrscheinlich, dass Paarberatung sehr häufig bei den einzelnen Menschen beginnt.

Natürlich sitzt da ein Paar, und natürlich gibt es ein gemeinsames Thema. Aber beide bringen eine eigene Geschichte mit. Wie habe ich Nähe erlebt? Welche Rolle hatte ich in meiner Familie? Wie wurde bei uns mit Konflikten umgegangen? Was musste ich vielleicht tun, um gehört zu werden, und was habe ich lieber vermieden? All das verschwindet ja nicht in dem Moment, in dem wir uns verlieben.

Ich fand es unglaublich bereichernd zu verstehen, dass manches, was zwischen zwei Menschen zunächst wie ein reines Beziehungsproblem aussieht, sehr viel verständlicher wird, wenn man die beiden Menschen dahinter besser versteht. Diese Erkenntnis hat letztlich auch meinen weiteren beruflichen Weg geprägt. Denn wenn man einmal anfängt, Menschen in ihren Zusammenhängen zu betrachten, wird das Feld plötzlich sehr groß.

Wie setzt Du das Gelernte heute beruflich ein?
Die Paarberatung ist bis heute ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Gleichzeitig hat sich daraus mit den Jahren ein deutlich größeres Arbeitsfeld entwickelt und das empfinde ich rückblickend als ziemlich logische Entwicklung.

Denn in den Beratungen habe ich schnell gemerkt, dass ein Paar selten vollkommen losgelöst vom restlichen Leben betrachtet werden kann. Da gibt es Familien, Kinder, Eltern, frühere Erfahrungen und gewachsene Dynamiken. Und so kam es irgendwann tatsächlich vor, dass nicht mehr nur die Paare vor mir saßen. Plötzlich kamen auch Jugendliche, die ihre eigene Sicht erzählen und gehört werden wollten, oder einzelne Familienmitglieder, bei denen ein ganz anderes Thema im Vordergrund stand.

Gleichzeitig habe ich durch meine Arbeit als Trauerrednerin noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive auf Lebensgeschichten geschaut. In Trauergesprächen erzählen Angehörige von einem Menschen, von seiner Kindheit, seinen Beziehungen, Eigenheiten, Entscheidungen und davon, welche Rolle er innerhalb einer Familie hatte. Ich fand es zunehmend faszinierend, wie sich auch dort Entwicklungen und Zusammenhänge über ein ganzes Leben hinweg erkennen lassen.

Das alles hat mir irgendwann den Mut gegeben, mich beruflich nicht ausschließlich auf die klassische Paarberatung festzulegen. Ich wollte mir erlauben, daraus meinen eigenen Weg zu entwickeln.

Heute findet genau diese Arbeit in meiner „Gesprächsbude“ statt. Der Name ist dabei durchaus Programm: persönliche Weiterentwicklung darf sich für mich auch leicht anfühlen, und manchmal hilft es sogar, über sich selbst lachen zu können. Deshalb die „Bude“: Pommes gibt es zwar keine, dafür ein entspanntes Umfeld für neue Gedanken und Perspektiven.

Dort arbeite ich weiterhin mit Paaren, aber auch mit Einzelpersonen, Jugendlichen, Familien und Menschen in Trauer oder anderen belastenden Lebenssituationen (alles durch Weiterempfehlung). Die Themen sehen auf den ersten Blick oft sehr unterschiedlich aus. Meine Neugier dahinter ist eigentlich immer dieselbe geblieben: Wie ist ein Mensch an diesen Punkt gekommen und was braucht es, damit er von dort aus wieder ein Stück weiterkommt?

Was würdest Du jemandem mitgeben, der überlegt, selbst eine Ausbildung im Bereich Paarberatung zu beginnen?
Ich glaube, man sollte vor allem wirklich gerne mit Menschen arbeiten und neugierig auf sie sein. Denn in einer Paarberatung sitzen einem zwei Menschen gegenüber, die möglicherweise dieselbe Situation vollkommen unterschiedlich erlebt haben. Man muss zuhören können, ohne sofort entscheiden zu wollen, wer recht hat. Manchmal muss man Fragen stellen, deren Antwort man selbst noch überhaupt nicht kennt. Und man sollte aushalten können, dass Menschen ihren eigenen Weg finden dürfen, auch wenn man persönlich vielleicht einen anderen wählen würde.

Und ich würde noch etwas mitgeben: die Neugier auf Menschen darf einen selbst ruhig mit einschließen. Denn natürlich bringen auch wir als Beratende etwas mit in diesen Raum. Wir sind ja nicht die neutrale Zimmerpflanze in der Ecke. 😂 Wir hören mit unserer eigenen Geschichte zu, mit unseren Erfahrungen, unseren Vorstellungen von Beziehung und manchmal auch mit ziemlich festen Überzeugungen darüber, wie etwas „sein sollte“.

Ich finde es deshalb wichtig, sich selbst immer wieder zu reflektieren und die eigenen Prinzipien gelegentlich freundlich auf Beweglichkeit zu überprüfen. Denn was für mein eigenes Leben richtig ist, muss noch lange nicht die richtige Antwort für die beiden Menschen vor mir sein.

Vielleicht ist genau das eine der Besonderheiten an dieser Ausbildung: man lernt unglaublich viel über Beziehungen und Dynamiken und kommt dabei kaum darum herum, sich hin und wieder selbst zu begegnen. Das halte ich für ziemlich wertvoll. Gerade wenn man später mit Menschen arbeiten möchte.

Die Ausbildung gibt dafür Wissen, Methoden und einen fachlichen Rahmen. Was man daraus macht, entwickelt sich mit der eigenen Erfahrung und mit jedem Gespräch weiter. Bei mir war sie ursprünglich eine Antwort auf eine ziemlich einfache Frage meiner Brautpaare: „Dürfen wir uns später eigentlich noch einmal bei Dir melden?“ Dass daraus einmal ein eigener beruflicher Bereich entstehen würde, wusste ich damals überhaupt nicht. Und vielleicht finde ich genau das im Rückblick besonders schön.

Wie sich dieser Weg inzwischen weiterentwickelt hat und welche Gedanken mich heute in meiner Arbeit beschäftigen, teile ich übrigens auch auf meinem Instagram-Kanal @gespraechsbude und auf Spotify. Und zwei Onlinekurse gibt es auch. Da sieht man vermutlich ganz gut, dass ich mit dem Lernen nach der Ausbildung nicht aufgehört habe.