Interview mit Katja Russ

Bild Katja Russ

Absolventin - Seelsorger


Welche persönliche und berufliche Situation hattest Du vor Deiner Ausbildung und was hat Dich motiviert, etwas Neues zu wagen?

Ich arbeite als Krankenschwester in einer Universitätsklinik. In meinem Berufsalltag betreue ich dabei ausschließlich krebskranke Patienten, die mitunter viel Redebedarf haben, sich Gedanken über das Leben machen und teilweise auf der Suche nach Sinnhaftigkeit sind. Ich selbst habe das auch stets getan. Die Seelsorge Ausbildung an der ALH schien mir eine ideale Weiterbildung für meine Situation zu sein. Die Lehrinhalte waren so übergreifend wie spezifisch, dass ich mir sicher war, während dieser Zeit nicht nur für meinen Beruf, sondern auch sehr viel für mich lernen zu können.


Warum hast Du Dich für eine Ausbildung an der ALH-Akademie entschieden?

Ich wollte eine Ausbildung, die den Menschen als Ganzes im Blick hat. Das hat mir gefallen. Außerdem war mir wichtig, mich an einer Institution weiterzubilden, die sich auf ein bestimmtes Themengebiet spezialisiert hat und nicht hunderte von Weiterbildungen „quer Beet“ anbietet. Die freie Zeiteinteilung in der Bearbeitung der Studienbriefe war für mich im Schichtdienst zusätzlich ein großes Plus.


Wie lief Deine Ausbildung an der ALH ab und welche Inhalte haben Dir am besten gefallen?

Ich habe meine Ausbildungszeit (23 Monate) in sehr guter Erinnerung. Das wichtigste für mich war, dass es keinen Zeitstress gab und ich mich den Studienbriefen und verschiedenen Themen so mit Muße zu einem Zeitpunkt meiner Wahl widmen konnte. Dadurch konnte ich mich auch viel intensiver auf die Themen und Inhalte einlassen. In der Ausbildung zum Seelsorger ging es dabei nicht nur um die Vermittlung biblischer Geschichte, das Jesus-Geschehen oder die Unterstützung des Alltags durch Gebete. Sehr viele Studienbriefe widmeten sich äußerst aktuellen Themen wie Seelsorge bei Jugendlichen oder alten Menschen, dem Umgang mit Sterben und Tod, das Erleben von Krisen oder die Erfahrung von Mediation sowie Spiritualität. Auch unterschiedlichste Wege und Tools der Kommunikation wurden vermittelt.

Die Bearbeitung der Studienbriefe mündete stets in der offenen Beantwortung von themenbezogenen Fragen, gab jedoch auch regelmäßig Anreize, über den eigenen Alltag, die eigene Vergangenheit, das eigene Leben nachzudenken – für mich ein sehr spannender und weiterführender Aspekt. Die Betreuung durch unseren Dozenten habe ich ebenfalls sehr warmherzig und inspirierend erlebt. Er schrieb zu jedem Studienbrief einen einseitigen Kommentar, der unterstützend und richtungsweisend war.


Wie gut hast Du Dich rückblickend bei Deinem Lernprozess betreut gefühlt?

Auf die Tutoren der ALH war stets Verlass. Ich konnte mich mit verschiedensten Fragen an sie wenden und bekam innerhalb kürzester Zeit Antwort. Ich habe die Betreuung als sehr personenbezogen und direkt empfunden. Es gab keine umständlichen administrativen Bearbeitungswege. Ich hatte einfach das Gefühl, dass die ALH sowie unser Dozent alle Studenten namentlich im Kopf hatten und diese somit sehr persönlich unterstützen konnten.


Wie sieht Deine persönliche und berufliche Entwicklung nach der Ausbildung aus und was hat sich in Deinem Leben verändert?

Die Auswirkung der Seelsorge Ausbildung auf meinen beruflichen Alltag kann ich eher als "über die Zeit entstehend" beschreiben. Es war nicht so, dass ich plötzlich eine neue Art von Kommunikation an den Tag gelegt hätte. Viel mehr hat mich die Bearbeitung der Studienbriefe innerlich gefestigt, sodass ich auch für meine Patienten, teilweise ohne Worte, noch mehr zur Stütze werden konnte. Jedoch wurde mir auch ein Zugang zu sehr streng gläubigen Patienten ermöglicht, den ich womöglich früher nicht auf diese Art und Weise hätte finden können. Insgesamt hat mich die Seelsorge Ausbildung darin bestätigt, weiterhin viel aus dem Bauchgefühl heraus zu tun im Umgang mit anderen Menschen. Es hat mir aber auch dabei geholfen, u.a. durch die regelmäßige Bewusstmachung des eigenen Lebens, mich besser in die Lebenssituation von anderen Menschen zu versetzen.