Interview mit Sandra Müller

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Sandra Müller - Absolventin Psychologische Beraterin und Resilienztrainerin

Wie sah Dein beruflicher Weg vor den ALH-Ausbildungen aus?
Ich arbeite seit 1997 als Kinderkrankenschwester an einer Uniklinik im Perinatalzentrum in drei Schichten. Zusätzlich habe ich mich zum PEER ausbilden lassen, um als Ansprechpartner nach schwierigen Ereignissen da zu sein. Seit einigen Jahren arbeite ich als Erstinformationspartner zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement im BGM.

Was hat Dich dazu bewegt, Dich intensiver mit Psychologischer Beratung und Resilienztraining zu beschäftigen und was hat Dich an der Verbindung dieser beiden Richtungen besonders angesprochen?
Ich bin seit knapp 14 Jahren chronisch krank und soll laut meinen Ärzten nicht mehr im Schichtsystem arbeiten. Lange habe ich nach einem Weg gesucht, trotzdem einen Bereich zu finden, der mich ausfüllt. Nach einer persönlichen Herausforderung Anfang 2023 bin ich dann bei der Recherche auf die Ausbildung zum Psychologischen Berater und die ALH gestoßen. Die onlinebasierte Ausbildung passte wunderbar zu meinem Job und forderte mich auf einer ganz neuen Ebene heraus. Ich fand die Module super interessant, war aber noch nicht komplett überzeugt. Erst im Modul der Stress und Burnout-Prävention konnte ich mir vorstellen, in Zukunft aktiv tätig zu sein. Ich wollte unbedingt mehr wissen und lernen und habe gleich im Anschluss die Ausbildung zur Resilienztrainerin gemacht. Die Zeit der Überbrückung zwischen meiner Abschlussprüfung und dem letzten Pflichtseminar habe ich dann noch genutzt, um die Ausbildung zum Kursleiter im Waldbaden, Achtsamkeit und Meditation hinzuzufügen. Damit hat sich für mich ein Komplettprogramm zusammengefügt das, ich auch ganzheitlich anbieten und nutzen möchte.

Wie hast Du die Inhalte der Ausbildung erlebt? Gab es Themen oder Methoden, die Dich besonders geprägt haben?
Anfangs war die Arbeit mit dem Rechner das Schwierigste. Die Studienbriefe waren gut aufbereitet und die Tests zur Überprüfung des Wissens konnten gut sichtbar machen, wie gut man das Gelernte verstanden hat und umsetzen konnte. Die Prüfungsarbeit hat mich darauf vorbereitet, wie ich heute meine Kurskonzepte erarbeite und was es braucht, um es spannend aufzubereiten. Am allerbesten fand ich die Seminare, die ich komplett online erledigt habe. Die Gestaltung durch die Tutoren fand ich durchweg gelungen, authentisch, didaktisch gut aufbereitet, spannend und interessant. Der Kontakt zu meinen Kommilitonen war herzlich und hat mich in der Entwicklung und im Fernstudium einen großen Schritt vorwärtsgebracht. Wir haben viel gemeinsam bearbeitet und reflektiert.

Heute arbeitest Du als Resilienz- und Achtsamkeitstrainerin am Klinikum. Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus und welche Rolle spielen Psychologie, Resilienz und Achtsamkeit dabei?
Momentan arbeite ich einen Tag pro Woche im Betrieblichen Gesundheitsmanagement präventiv als Resilienztrainerin. Ich habe mehrere Kursformate geplant und gebe pro Monat einen Ganztagskurs im Resilienztraining. Dafür gibt es drei aufeinander aufbauende Einheiten. Sonst biete ich noch Module im achtsamkeitsbasierten Stressmanagement über zwei Stunden mit Entspannungstechniken an, die mehrfach täglich stattfinden. Seit August werde ich auch im Teamtraining zu diesen Themen über die Klinik gebucht. Dafür besprechen wir den Umfang mit den jeweiligen Teams und planen die Module jeweils darauf zugeschnitten. Besonders im mentalen Stressmanagement hilft mir meine Ausbildung zum Psychologischen Berater durch die Lösungsorientierung und die systemischen Fragetechniken.

Gerade im Klinikalltag sind Mitarbeitende mit besonderen Belastungen konfrontiert. Welche Herausforderungen begegnen Dir in Deiner Arbeit und wo kann Resilienztraining und Psychologische Beratung ansetzen?
Eine besondere Herausforderung ist häufig, das gebuchte Termine aufgrund von Personalengpässen oder kurzfristigen Dienstplanänderungen nicht wahrgenommen werden können. Häufig geht es um das Thema Grenzen setzen und einhalten und Selbstfürsorge und Selbstregulation, da unser Personal oft über seine Grenzen, sowohl körperlich als auch psychisch, geht. Meine Kurse sind auf die besonderen Bedürfnisse im Klinikalltag zugeschnitten auch im Hinblick auf Abkühltechniken, Handlungsfähigkeit unter Zeitmangel und Stress.

Gibt es ein Beispiel für eine Methode oder einen Ansatz, den Du regelmäßig in Deiner Arbeit einsetzt?
Check-in und Check out Methoden bei Dienstbeginn und Dienstende. Die Atemtechniken 4-7-8 oder 5-4-3-2-1 Methode, um in die kognitive Handlungsfähigkeit zurückzukommen bei schwierigen Gesprächen oder Konfrontationen. Auch das bewusste Sein im Hier und Jetzt in dienstfreien Zeiten ist ein aktuelles Thema, das wir immer wieder aufgreifen und als Transfer in den Alltag integrieren. In den Kursen stehen mir Matten und Meditationskissen zu Verfügung, die von meinen Klienten sehr gern für Fantasiereisen, Meditationen, Bodyscan oder z.B. PMR genutzt werden.

Welche Projekte stehen für die Zukunft an?
Für die nahe Zukunft habe ich ein Tageskonzept für eine Multiplikatoren Ausbildung hier am Klinikum erarbeitet. Wir möchten gern in jedem Arbeitsbereich einen ausgebildeten Multiplikator einsetzen, der als Schnittstelle zwischen dem Bereich und dem Resilienztraining mit einfachen Methoden Probleme oder Schwierigkeiten erkennen kann und diese „behandelt“ oder an spezialisiertes Personal weiterleiten kann, um das Stresslevel des Einzelnen zu senken und der Burnoutgefahr vorzubeugen.

Was würdest Du heute jemandem sagen, der mit dem Gedanken spielt, sich ebenfalls im mit einem Fernstudium weiterzubilden?
Wenn jemand sich ernsthaft mit diesem Gedanken beschäftigt, soll er es unbedingt versuchen. Es braucht eine hohe Selbstdisziplin und Selbstorganisation, um Job und Fernstudium unter einen Hut zu bringen. Für mich war es zu diesem Zeitpunkt aber absolut der richtige Weg. Alles beginnt mit einem ersten kleinen Schritt. Dieser wiederum kann zu wunderbaren großen Veränderungen führen.