Beruf des Heilpraktikers für Psychotherapie: Gehalt, Prüfung & Zukunftschancen
- Was ist ein Heilpraktiker für Psychotherapie?
- Was dürfen Heilpraktiker für Psychotherapie behandeln?
- Was macht ein Heilpraktiker für Psychotherapie?
- Eignung und Voraussetzungen für den Beruf des Heilpraktikers für Psychotherapie
- Ausbildung
- Prüfung zum Heilpraktiker Psychotherapie
- Gehalt eines Heilpraktikers für Psychotherapie
- Mögliche Spezialisierungen
- Abrechnung mit der Krankenkasse
- Zukunft und Perspektiven des Berufs
- Weitere Informationen zur Weiterbildung
Mirco Ehlers - Psychologischer & Systemischer Berater
Du interessierst Dich für das Berufsbild des Heilpraktikers für Psychotherapie? Hier erhältst Du einen umfassenden Überblick über die Tätigkeit und Aufgaben, Voraussetzungen, Ausbildung, Verdienstmöglichkeiten und Zukunftsperspektiven des Heilpraktikers für Psychotherapie.
Was ist ein Heilpraktiker für Psychotherapie?
Ein Heilpraktiker für Psychotherapie (umgangssprachlich auch „kleiner Heilpraktiker“) ist nach dem Heilpraktikergesetz (HeilprG) eine Person mit einer eingeschränkten Heilerlaubnis. Diese sektorale Erlaubnis beschränkt sich auf das Gebiet der Psychotherapie und berechtigt Heilpraktiker für Psychotherapie seit 1993 psychische Störungen mit Krankheitswert zu diagnostizieren und zu behandeln.
Was darf ein Heilpraktiker für Psychotherapie behandeln?
Im Gegensatz zum „großen Heilpraktiker“ mit uneingeschränkter Heilerlaubnis ist der kleine Heilpraktiker ausschließlich auf psychische Erkrankungen spezialisiert. Er darf nicht die Berufsbezeichnungen „Arzt“ oder „Psychotherapeut“ führen und wird nicht im Arztregister eingetragen. Die Bezeichnung „Psychotherapeut“ ist gesetzlich geschützt und ausschließlich approbierten Psychologischen Psychotherapeuten und Ärzten mit entsprechender Weiterbildung vorbehalten.
Was macht ein Heilpraktiker für Psychotherapie?
Meist arbeiten Heilpraktiker für Psychotherapie selbstständig in eigener Praxis. Ihre Hauptaufgabe ist die psychotherapeutische Behandlung von Menschen mit seelischen Problemen. Dazu zählen psychische, psychosomatische und emotionale Störungen wie beispielsweise Angststörungen, Depressionen oder Stressfolgen. Als Heilpraktiker für Psychotherapie herrscht grundlegend Therapiefreiheit. Das heißt, dass sie unter Berücksichtigung möglicher Grenzen, Therapiemethoden frei wählen können. Zu therapeutischen Verfahren zählen Methoden wie beispielsweise Hypnose, Systemische Therapie und Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Atemtherapie. Typische Anwendungsbereiche sind neben klassischen Krankheitsbildern auch Lebenskrisen, Paar- und Familienberatung sowie berufliches Coaching. Des Weiteren begleiten sie Patienten, in dem sie individuelle Therapiepläne erstellen und gesundheitliche Fortschritte analysieren und dokumentieren.

Nicht erlaubt ist die Behandlung von Erkrankungen, die ärztlich oder psychiatrisch behandelt werden müssen. Dies betrifft insbesondere Krankheiten, die eine medikamentöse Behandlung erfordern oder stationär therapiert werden müssen. Die Behandlung solcher Erkrankungen und aller heilkundlichen Maßnahmen außerhalb der Psychotherapie sind Heilpraktikern für Psychotherapie untersagt und erfordern einen Verweis an Ärzte oder Psychiater.
Eignung und Voraussetzungen für den Beruf des Heilpraktikers für Psychotherapie
Die Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie eignet sich besonders für Menschen mit Interesse an Psychologie, Beratung und Gesprächsführung und für Personen, die gerne mit Menschen arbeiten und sie in schwierigen Lebensphasen begleiten möchten. Viele angehende Heilpraktiker für Psychotherapie bringen bereits Erfahrungen aus sozialen, pädagogischen, pflegerischen oder psychologischen Berufsfeldern mit. Auch engagierte Quereinsteiger können die Ausbildung absolvieren, wenn sie Interesse an psychischen Prozessen, menschlichem Verhalten und therapeutischer Arbeit mitbringen.
Die Zulassungsvoraussetzungen für die Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie sind nicht gesetzlich vorgeschrieben, orientieren sich aber an den formalen Voraussetzungen für die spätere Zulassung zur Heilpraktikerprüfung Psychotherapie beim Gesundheitsamt. Viele Bildungsträger empfehlen einen mittleren Bildungsabschluss, eine abgeschlossene Ausbildung oder ein abgeschlossenes Studium und psychische Gesundheit. Da für die Zulassung zur Prüfung bei dem Gesundheitsamt die Heilpraktiker für Psychotherapie Anwärter 25 Jahre alt sein müssen, empfehlen viele Bildungsträger ein Mindestalter von 23 Jahren, um längere Wartezeiten zwischen Ausbildungsende und der Prüfung beim Gesundheitsamt zu vermeiden.
Wie läuft die Ausbildung ab?
Die Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie wird bisher nur von privaten Bildungsanbietern angeboten und ist daher kostenpflichtig. Die Höhe der Gebühren hängt von der Dauer der Ausbildung und dem jeweiligen Bildungsträger ab. In der Regel dauert die Ausbildung je nach Anbieter ein bis zwei Jahre und dient als Vorbereitung für die behördliche Prüfung vor dem Gesundheitsamt.
Typischerweise umfasst die Ausbildung sowohl theoretischen Unterricht als auch praktische Übungen. Nach der Ausbildung sollen Absolventen in der Lage sein, psychische Erkrankungen eigenständig zu erkennen, Diagnosen einzuordnen, Risiken zu beurteilen und geeignete therapeutische Maßnahmen zu planen.

„Die Dinge und die Mitmenschen besser zu verstehen und diese dabei zu unterstützen, ein erfüllteres Leben zu führen, andere Sichtweisen einzunehmen war das, was ich wollte."
Jörg Schaller, Absolvent der Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie
Gesamtes Interview lesenPrüfung zum Heilpraktiker Psychotherapie
Nach Absolvierung der Ausbildung erfolgt die behördliche Heilpraktikerprüfung durch das Gesundheitsamt, da die Ausübung von Heilkunde in Deutschland eine Heilpraktikererlaubnis erfordert. Diese wird in der Regel bei dem Gesundheitsamt abgelegt, das für den Ort des eigenen Hauptwohnsitzes zuständig ist und setzt sich aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil zusammen. Der schriftliche Teil dauert eine Stunde und umfasst 28 Multiple-Choice-Fragen zu verschiedenen Themen der psychischen Heilkunde. Um die schriftliche Prüfung zu bestehen, müssen 21 (75 %) der Fragen korrekt beantwortet werden.
Ist die schriftliche Prüfung erfolgreich abgelegt worden, folgt die etwa 45-minütige mündliche Überprüfung. Hier wird das theoretische Wissen durch praktische Fallbeispiele geprüft. Die Prüfungskommission legt dabei Wert auf fachliche Kompetenz, diagnostisches Denken, rechtliche Kenntnisse und therapeutische Einschätzung.
Die Voraussetzungen für die Heilpraktiker Psychotherapie Prüfung beim Gesundheitsamt sind folgende:
- Mindestalter: 25 Jahre
- Schulabschluss: Mindestens Hauptschulabschluss
- Polizeiliches Führungszeugnis: Kein Eintrag schwerer Straftaten
- Gesundheitliche Eignung: Ärztliches Attest über körperliche und psychische Gesundheit
Wer diese formalen Kriterien erfüllt, kann zur Prüfung zugelassen werden. Zu beachten sind mögliche lange Wartezeiten, weshalb eine frühzeitige Prüfungsanmeldung empfohlen wird. Die Prüfung vor dem Gesundheitsamt ist bundesweit einheitlich geregelt, findet zwei Mal im Jahr statt und gilt als herausfordernde Prüfung mit hohen Durchfallquoten. Aufgrund dessen spielen die Wahl der Ausbildungsinstitution und eine umfassende Prüfungsvorbereitung eine wichtige Rolle für eine erfolgreiche Prüfungsabsolvierung.
Gehalt eines Heilpraktikers für Psychotherapie
Der Beruf des Heilpraktikers für Psychotherapie wird überwiegend auf selbstständiger Basis ausgeführt. Feste Anstellungen in sozialen Einrichtungen sind eher die Ausnahme, können aber insbesondere für den Berufseinstieg eine attraktive Möglichkeit mit mehr finanzieller Sicherheit und planbarem Einkommen sein.
Da Selbstständige ihre Honorare eigenständig festlegen, sind die Verdienstmöglichkeiten stark variierend, wobei übliche Stundensätze im Bereich von etwa 40–120 €/Stunde liegen. Die Höhe des Stundensatzes ist abhängig von Faktoren wie dem Standort, Erfahrung, Reputation und Spezialisierung, Netzwerk und Marketing und dem eigenen Praxismanagement.
Regional zeigt sich beim Einkommen ein deutliches Ost-West-Gefälle: In westlichen Bundesländern werden im Durchschnitt höhere Gehälter bzw. Praxisumsätze erreicht als in vielen Regionen Ostdeutschlands, was vor allem mit allgemeinem Lohnniveau, regionaler Kaufkraft und der lokalen Nachfrage nach psychotherapeutischen Leistungen zusammenhängt. So liegen die durchschnittlichen Bruttoeinkommen für Heilpraktiker für Psychotherapie insgesamt in Bundesländern wie Baden-Württemberg, Hessen oder Hamburg spürbar höher als in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern, während große Ballungsräume zusätzlich davon profitieren, dass Menschen dort eher bereit sind, für psychotherapeutische Angebote höhere Honorare zu zahlen.
Mögliche Spezialisierungen
Verschiedene Spezialisierungen dienen zur Profilschärfung, helfen sich im Markt abzuheben, andere Klientengruppen anzusprechen und höhere Honorare zu erzielen. Typischen Spezialisierungen im Überblick:
Traumatherapie
Eine Spezialisierung in Traumatherapie richtet sich vor allem an Menschen, die belastende Erlebnisse wie Unfälle, Gewalt, Missbrauch, Verlust oder Kindheitstraumata erlebt haben. Klienten sind z.B. Erwachsene mit Posttraumatischer Belastungsstörung; Menschen, die eine Trennung oder Tod eines nahestehenden Menschen bewältigen oder Personen mit komplexen Entwicklungstraumata aus der Kindheit.
Systemische Therapie und Paararbeit
Systemische Schwerpunkte sprechen häufig Paare, Familien und Personen in schwierigen Beziehungskonstellationen an. Typische Zielgruppen sind Paare in Krisen, Familien mit Konflikten zwischen Eltern und Kindern oder Angehörige, die besser mit psychischen Erkrankungen in der Familie umgehen wollen.
Verhaltenstherapie und Tiefenpsychologie
Mit einem verhaltenstherapeutischen oder tiefenpsychologischen Schwerpunkt arbeitest Du vor allem mit Menschen, die beispielsweise unter Ängsten, Depressionen, Zwängen, Essstörungen oder problematischen Verhaltensmustern leiden. Mögliche Klienten können beispielsweise Berufstätige mit Leistungsdruck, Menschen mit sozialen Ängsten oder Personen mit wiederkehrenden Beziehungskonflikten sein.
Hypnose- und Hypnotherapie
Ein Schwerpunkt auf Hypnosetherapie kann Verdienstmöglichkeiten deutlich steigern. Es eignet sich besonders für Klienten, die gezielt an Themen wie Raucherentwöhnung, Gewichtsreduktion, Prüfungsangst, Schlafstörungen oder Stressreduktion arbeiten möchten. Dies können beispielsweise Berufstätige mit hohem Stresslevel, Studierende mit Prüfungsangst oder Menschen, die ein bestimmtes Verhalten nachhaltig verändern wollen, sein.
Kinder- und Jugendlichentherapie
Mit einer Spezialisierung auf Kinder und Jugendliche arbeiten Heilpraktiker für Psychotherapie mit jungen Menschen und deren Eltern. Typische Anliegen sind Schulangst, Konzentrationsprobleme, Verhaltensauffälligkeiten, Trennungs- und Scheidungssituationen der Eltern oder Mobbingerfahrungen.
Sucht, Burnout und Coaching
Ein Schwerpunkt auf Sucht und Abhängigkeit richtet sich an Menschen mit problematischem Konsum von Alkohol, Medikamenten, Drogen oder Verhaltenssüchten wie Glücksspiel. Im Bereich Burnout-Prävention und Coaching liegt der Fokus eher auf berufstätigen Erwachsenen, Führungskräften oder Selbstständigen, die Stress regulieren, gesunde Grenzen setzen und Leistungsfähigkeit erhalten möchten.

Abrechnung mit der Krankenkasse
Leistungen von Heilpraktikern für Psychotherapie sind kein regulärer Bestandteil der gesetzlichen Krankenversicherung, daher ist eine direkte Abrechnung über die gesetzlichen Krankenkassen ist in der Regel nicht möglich. Manche private Krankenversicherungen und Zusatzversicherungen erstatten Kosten anteilig oder ganz, sofern die Police Heilpraktikerleistungen einschließt.
Zukunft und Perspektiven des Berufs
Die Nachfrage nach psychotherapeutischer Unterstützung wächst seit Jahren, gleichzeitig sind die Wartelisten für kassenfinanzierte Therapieplätze oft sehr lang. In dieser Versorgungslücke kann der Heilpraktiker für Psychotherapie eine ergänzende Rolle übernehmen. Viele Heilpraktiker für Psychotherapie positionieren sich dabei bewusst in Nischen wie Lebensberatung, Coaching, Burnout- und Stressprävention oder Paar- und Familienberatung und ergänzen so das bestehende psychosoziale Hilfesystem.
Wird der Heilpraktiker für Psychotherapie abgeschafft?
In Fachkreisen, Medien und der Politik wird seit vielen Jahren darüber gestritten, ob der Heilpraktiker für Psychotherapie abgeschafft oder deutlich stärker reguliert werden soll. Kritiker bemängeln fehlende einheitliche Ausbildungswege, begrenzte staatliche Kontrolle und mögliche Risiken für Patienten, während Befürworter auf Versorgungslücken im gesetzlichen System, die therapeutische Wahlfreiheit und den Bedarf an zusätzlichen Angeboten außerhalb der Richtlinienverfahren verweisen.
Trotz teils lauter Forderungen nach Abschaffung, rechtlichen Prüfaufträgen und wiederholten öffentlichen Debatten ist die rechtliche Grundlage des Berufs bislang unverändert geblieben. Stattdessen wurden vor allem Gutachten, Stellungnahmen und Reformideen vorgelegt, ohne dass daraus ein klarer politischer Beschluss zur Abschaffung entstanden wäre. Immer wieder ist von einer möglichen Neuordnung oder Verschärfung der Regeln die Rede, konkrete Maßnahmen bleiben jedoch aus oder kommen nur zögerlich voran. So bleibt der Heilpraktiker für Psychotherapie rechtlich weiterhin zugelassen – und die Frage seiner Abschaffung ist zwar seit Jahren ein Thema, führt aber bisher eher zu Verunsicherung als zu tatsächlichen strukturellen Veränderungen.
Weitere Informationen zur Weiterbildung
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