Intuitives Essen – hör auf Deinen Körper!

Du hattest einen stressigen Arbeitstag und belohnst Dich abends mit einem Eis oder bist frustriert und stillst Deinen Frust mit einer Schokolade? Ein Kollege hat Kuchen mitgebracht – eigentlich bist Du gar nicht hungrig, aber wenn der Kuchen schon dasteht, greifst Du natürlich auch zu. Kommen Dir diese Situationen bekannt vor?

Gedeckter Tisch

Genau in solchen Momenten essen wir nicht, weil wir körperlich hungrig sind und der Magen knurrt, sondern aus Gewohnheit oder emotionalen Gründen. Ursprünglich werden wir mit einem intuitiven Essverhalten geboren. Ein Baby schreit, wenn es hungrig ist und verweigert das Essen, wenn es satt ist. Eigentlich das Normalste der Welt! Doch durch Regeln wie „Iss Deinen Teller leer, sonst gibt es schlechtes Wetter“, feste Essensuhrzeiten, Diäten oder angewöhntes Emotionsessen verlernen wir diese angeborene Fähigkeit.

Der Ansatz des intuitiven Essens ist es, nur dann zu Essen, wenn man körperlich hungrig ist und aufzuhören, wenn man satt ist. Man verlässt sich also ganz auf die körperlichen Signale. Dies bedeutet aber auch, dass wir erst einmal wieder lernen müssen, die Signale des Körpers richtig deuten zu können. Besonders wichtig ist es hier, die Unterschiede zwischen emotionalem und körperlichem Hunger zu spüren. Doch woran erkennt man, ob es sich um körperlichen oder emotionalen Hunger handelt?

Körperlicher Hunger Emotionaler Hunger
  • nicht zielgerichtet auf bestimmte Nahrungsmittel
  • zielgerichtet auf bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Schokolade)
  • baut sich langsam auf
  • baut sich plötzlich auf und will direkt befriedigt werden (Frust, Kummer,...)
  • körperlich (Magenknurren, Übelkeit…)
  • entsteht im Kopf
  • kann nur durch Nahrung gestillt werden
  • kann durch Alternativen (Tasse Tee, Zähne putzen, …) beschwichtigt werden
  • verschwindet, sobald man gesättigt ist
  • wird kaum oder nur kurzfristig gestillt

 

Tipps

Die folgenden Tipps können Dir helfen, Dein intuitives Essverhalten wieder zu erlernen. Integriere die folgenden Punkte in Deinen Alltag und Du wirst die Signale Deines Körpers in Zukunft wieder besser lesen können:

1. Erkenne emotionalen Hunger & iss nur wenn Du körperlich hungrig bist!

Analysiere Dein Hungergefühl nach den oben genannten Kriterien und schätze ein, ob es sich um emotionalen oder körperlichen Hunger handelt. Es ist hilfreich, Deine Essensgewohnheiten unter folgenden Aspekten zu durchleuchten: In welchen Situationen isst Du? Was isst Du? Warum isst Du? Wenn Du erkennst, dass es sich um emotionalen Hunger handelt, versuche den Grund für die emotionale Dysbalance zu finden. Hattest Du einen stressigen Tag oder Streit in der Partnerschaft? Anstatt zur Schokolade zur greifen, ist hier ein klärendes Gespräch, eine Entspannungsübung, Sport oder eine Meditation hilfreich, um nachhaltig die innere Balance wiederzufinden.  

2. Iss langsam & achtsam!

Lege nach jedem Bissen die Gabel zur Seite und achte ganz bewusst auf den Geschmack, das Aussehen und den Geruch Deiner Nahrung. Beobachte, was Du während des Essens (nebenbei) machst. Viele Prozesse laufen völlig gewohnheitsmäßig ab. Spielst Du am Handy? Liest Du nebenbei Zeitung oder läuft im Hintergrund das Radio? Konzentriere Dich voll und ganz auf Deine Mahlzeit und reduziere alle äußeren Reize so gut es geht.

3. Höre auf, wenn Du satt bist!

Mache eine kleine Pause, sobald das erste Hungergefühl nachlässt. Überlege, ob Du nun wirklich noch Hunger hast. Frage dich zum Beispiel: „Wie fühlt sich mein Magen an?“. Nur wenn Du tatsächlich noch hungrig bist, isst Du weiter. Wenn nicht, schiebe den Teller zur Seite und beende die Mahlzeit.

Es ist sinnvoll, die oben genannten Fragen und Gewohnheiten eine gewisse Zeit täglich zu notieren, um emotionalen Hunger aufzudecken und gewisse Muster im Essverhalten zu erkennen. So können wir auch einen kleinen „Notfallkoffer“ mit Übungen erstellen, welche uns bei der Überwindung des emotionalen Hungers geholfen haben.

Ein kleiner Tipp noch zum Abschluss: Fertigprodukte mit viel Zucker und Geschmacksverstärkern fördern unser Hungergefühl und erschweren die Identifizierung des Hungergefühls – diese am besten also reduzieren.

 

Über die Autorin:

Theresa Riesener arbeitet mit ihrem Hintergrund als Psychologin (B.Sc.) und Heilpraktikerin als Tutorin im Team der ALH. Dabei betreut sie unter anderem die Ausbildungen zum Achtsamkeitstrainer und Ernährungsberater. Schon seit mehreren Jahren interessiert sie sich für ganzheitliche Ansätze und verfolgt diese.

Mehr von unserer Tutorin Theresa und zum Thema Ernährung erfährst du in unserem Podcast: