9 Heilkräuter für Frauen und ihre Wirkung
von Svenja Blask, 10/26, Lesezeit: 4 Minuten
- Das Wichtigste auf einen Blick
- Erforschte vs. bekannte Heilkräuter für Frauen
- Mönchspfeffer, Kamille & Co.: Gut erforschte Heilkräuter
- Frauenmantel, Rotklee & Co.: Bekannt, aber wenig erforscht
- Nebenwirkungen von Heilkräutern: Vorsicht bei Selbstmedikation
- Aber was ist mit Tee für Frauen?
- Fazit: Heilkräuter für Frauen können helfen
Pubertät, Prämenstruelles Syndrom (PMS), Regelschmerzen, starke Blutungen, Schwangerschaft, Perimenopause, Menopause: Frauen sind im Laufe ihres Lebens starken und wiederkehrenden hormonellen Veränderungen ausgesetzt. Diese können mit physischen und psychischen Beschwerden einhergehen. Heilkräuter für Frauen gegen diese Beschwerden begegnen Dir schnell in der Drogerie, der Apotheke oder Ratgebern – nicht alle sind jedoch gründlich erforscht. Wir geben Dir einen Überblick, welche Heilkräuter für welche Beschwerden eingesetzt werden und wie gut ihre Wirkung untersucht ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Du kannst Deine Beschwerden mithilfe von Frauenkräutern lindern, wenn Du auf Risiken und Unverträglichkeiten achtest und Dich ärztlich beraten lässt.
- Mönchspfeffer, Kamille, Schafgarbe, Hirtentäschelkraut und Melisse gehören zu den besser erforschten Heilkräutern für Frauen. Sie helfen bei PMS, Regelschmerzen, Krämpfen, starken Blutungen oder Schlafproblemen in den Wechseljahren.
- Frauenmantel, Rotklee, Gänsefingerkraut und Himbeerblätter werden ebenfalls traditionell bei Menstruations-, Wechseljahres- oder Schwangerschaftsbeschwerden eingesetzt. Ihre Wirkung ist jedoch bislang kaum oder nicht ausreichend durch klinische Studien belegt.
- Solche pflanzlichen Mittel können Nebenwirkungen, allergische Reaktionen und Wechselwirkungen mit Medikamenten verursachen oder den Hormonhaushalt beeinflussen.
- Besonders während der Schwangerschaft sowie bei starken oder anhaltenden Beschwerden solltest Du Heilkräuter nicht ohne ärztliche Beratung einnehmen.

Erforschte vs. bekannte Heilkräuter für Frauen
Viele Frauenkräuter werden seit Jahrtausenden benutzt. Sie wirken bei Beschwerden wie Kopfschmerzen, Ängsten, Reizbarkeit, Entzündungen, Krämpfen und Blutungen wohltuend und lindern den Schmerz – so ist es seit jeher überliefert.
Dass sich allerdings jemand die Mühe macht, diese Wirkung anhand von klinischen Studien zu überprüfen und nachzuweisen, kommt überraschend selten vor. Es gibt daher einen Unterschied zwischen erforschten und „nur“ bekannten, aber in der Wirkung nicht wissenschaftlich belegten Frauen-Heilkräutern.
Mönchspfeffer, Kamille & Co.: Gut erforschte Heilkräuter
Zu den gut erforschten Heilkräutern für Frauen zählen neben Mönchspfeffer und Kamille auch Schafgarbe, das Hirtentäschelkraut und Melisse. Wir zeigen Dir, wann Dir welche Kräuter guttun und helfen können.
Mönchspfeffer
Die Strauchpflanze, die von Zentralasien bis zum Mittelmeerraum wächst, wurde schon in der Antike gegen sogenannte Frauenleiden eingesetzt. Im Januar 2001 wurde eine klinische Studie veröffentlicht, die die Wirkung des Extrakts ihrer Früchte auf Symptome des PMS untersucht:
- Reizbarkeit
- Stimmungsschwankungen
- Ärger
- Kopfschmerz
- Spannungsgefühl in den Brüsten
- Völlegefühl
Gegenüber der Placebo-Gruppe gaben die Frauen, die den Extrakt bekommen hatten, signifikante Besserungen dieser Beschwerden an. [1]
Kamille
Der Duft von Kamille begleitet die meisten Menschen schon seit ihrer Kindheit: Der Tee soll beim Einschlafen und bei Bauchschmerzen helfen, ein Kamille-Dampfbad Erkältungssymptome lindern. 2019 wurde in einer Metaanalyse von acht Studien festgestellt, dass Kamille wegen ihrer krampflösenden, angstlindernden und antientzündlichen Eigenschaften zur sanften Behandlung von PMS geeignet ist. [2]
Schafgarbe
Bei Menstruationsbeschwerden wie Schmerzen und Krämpfen hat sich Schafgarbe in einer Studie als lindernd erwiesen. [3] Ihr wird darüber hinaus eine hormonelle Wirkung zugeschrieben, die die Beschwerden in den Wechseljahren mildern kann, allerdings gibt es dazu noch keine Studien.
Hirtentäschelkraut
Das Kreuzblütengewächs ist inzwischen fast auf der ganzen Welt beheimatet. Seine blutstillende Wirkung wurde bereits in der Antike beschrieben. Es ist eines der Kräuter gegen starke Regelblutung – so wird es zumindest eingesetzt, ohne dass es dazu Studien gibt. Was hingegen im Rahmen einer Doktorarbeit belegt worden ist, ist die blutstillende Wirkung nach der Geburt. [4]
Melisse
Die Krautpflanze wächst vorwiegend in warmen Regionen und wird schon lange zur Behandlung verschiedener Leiden eingesetzt (bei Magen-Darm-Beschwerden, zur Beruhigung, zum Krampflösen, zur Bekämpfung von Entzündungen). All diese Wirkungsweisen sind nicht erforscht, sondern überliefert. Belegt ist einzig die Verbesserung des Schlafs von Frauen in der Menopause. [5]
Frauenmantel, Rotklee & Co.: Bekannt, aber wenig erforscht
Weit mehr „Frauenkräuter“ wie Frauenmantel, Rotklee, Gänsefingerkraut und Himbeerblätter werden seit Jahrtausenden genutzt, ohne dass es dazu klinische Studien gibt. Hier sprechen also vor allem Erfahrungswerte.
Frauenmantel
Frauenmantel zählt zu den Rosengewächsen, die rund 1.000 verschiedenen Arten wachsen in Afrika, Asien und Europa. Die Pflanze wird in vielen Ländern zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden eingesetzt, da sie gleich drei Wirkungen entfaltet:
- krampflösend
- schmerzlindernd
- antientzündlich
Zudem soll sie den Hormonhaushalt im Gleichgewicht halten und sie gilt als eines der Kräuter gegen starke Regelblutung. In Studien bestätigt sind diese Zuschreibungen bislang nicht – was nicht bedeutet, dass sie falsch sind.
Rotklee
Der schön blühende Rotklee wird schon seit vielen Jahrhunderten als Arzneipflanze verwendet: Ihm wird eine lindernde Wirkung bei Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden zugeschrieben. Es ist allerdings unklar, ob eine höhere Dosis über einen längeren Zeitraum hinweg negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann.
Wichtig: Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt eine Einnahme von Mitteln mit Rotklee daher für einen Zeitraum von höchstens drei Monaten.
Gänsefingerkraut
Das weltweit in gemäßigten Zonen vorkommende Rosengewächs wurde wahrscheinlich bei den Germanen zur Behandlung von Blutungen, Krämpfen und Entzündungen eingesetzt. Heute ist es häufig Inhalt von Arzneimitteln gegen Menstruationsbeschwerden, ohne dass die spezifische Wirkung irgendwann nachgewiesen worden wäre.
Himbeerblätter
Ein Tee aus Himbeerblättern wird traditionell Schwangeren empfohlen, die auf die Geburt zugehen: Er soll Wehen fördern und das Gewebe auflockern, was die Geburt erleichtert. Belege dafür konnten in Studien nicht festgestellt werden. Allerdings gibt es Risiken: Himbeerblättertee soll gerinnungsverstärkend wirken und so das Risiko für Blutgerinnsel verstärken. Zudem greift er in den Zuckerhaushalt ein, was im Falle eines Schwangerschaftsdiabetes gefährlich werden kann.
Nebenwirkungen von Heilkräutern: Vorsicht bei Selbstmedikation
Am letzten Beispiel siehst Du schon: Es ist nicht ganz ungefährlich, ohne ärztliche Beratung pflanzliche Mittel einzunehmen. In Drogerien und Apotheken findest Du Extrakte, Tropfen und Tabletten aus verschiedensten Pflanzenextrakten, die bei Frauenleiden aller Art helfen sollen.
Sie können allerdings auch Nebenwirkungen haben, etwa:
- Allergien: Vor allem Pflanzen wie Schafgarbe und Kamille können allergische Reaktionen auslösen, die mit Atemnot, Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, Juckreiz und Kopfschmerzen einhergehen können.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten: Falls Du Medikamente nimmst, lass auf jeden Fall abklären, ob es Kräuter gibt, die die Wirkung beeinträchtigen oder verstärken können.
- Hormonelles Ungleichgewicht: Auch wenn diese Wirkungen nur vermutet und nicht mit Studien belegt sind, können manche Inhaltsstoffe von Pflanzen Deinen Hormonhaushalt nicht nur positiv beeinflussen, sondern auch Deinen Zyklus durcheinanderbringen, Zwischenblutungen hervorrufen oder die Wirkung der Pille beeinträchtigen.
- Risiken während der Schwangerschaft: Es gibt Kräuter, die die Schwangerschaft gefährden können. In dieser besonderen Zeit ist Selbstmedikation keine gute Idee. Halte immer Rücksprache mit Deinen behandelnden Ärztinnen und Ärzten.
Falls Du Beschwerden hast, solltest Du ärztlichen Rat einholen, was Du dagegen tun kannst. Gemeinsam könnt ihr durchgehen, wie Dein körperlicher Zustand ist, welche Gegenanzeigen es gibt, ob Unverträglichkeiten bestehen, welche Medikamente Du nimmst – und dann kannst Du ärztlich begleitet ausprobieren, ob Dir etwas hilft.

Aber was ist mit Tee für Frauen?
In Teemischungen gegen Menstruations- oder Wechseljahresbeschwerden sind meist so geringe Mengen der jeweiligen Frauenkräuter enthalten, dass Du in den meisten Fällen zwei bis drei Tassen am Tag trinken darfst, wenn Dir das guttut.
Und möglicherweise tut es das tatsächlich: Dass keine Studien vorliegen, bedeutet nicht automatisch, dass die Kräuter keine Wirkung haben. Aber auch bei Tee für Frauen gilt: Vorsicht während der Schwangerschaft! Lass Dich hier immer ärztlich beraten.
Fazit: Heilkräuter für Frauen können helfen
Auch wenn viele dieser Kräuter bislang nur unzureichend erforscht sind, berichten viele Menschen, dass sie ihnen bei Beschwerden vor und während der Menstruation oder rund um die Menopause guttun. Wenn Du merkst, dass Dir ein Mittel hilft, Du mögliche Nebenwirkungen beachtest und nichts gegen ärztlichen Rat einnimmst, spricht grundsätzlich nichts dagegen, es für Dich auszuprobieren und auf sanfte Weise dafür zu sorgen, dass es dir besser geht.
Literatur:
- [1] https://www.bmj.com/content/322/7279/134
- [2] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6970572/
- [3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26238568/
- [4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28590768/
- [5] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10183928/

Über Svenja Blask
Svenja ist im Bildungsmanagement der ALH-Akademie tätig. Dabei begleitet sie die Organisation und Weiterentwicklung von Bildungsangeboten, koordiniert die Zusammenarbeit mit Dozenten und Autoren und ist an der Konzeption neuer Inhalte beteiligt. Ihr Studium der Erziehungswissenschaften, Deutsch als Fremdsprache sowie der Soziologie hat ihr einen vielseitigen Blick auf Bildung, Gesellschaft und menschliches Miteinander vermittelt. Als interkulturelle und Diversity-Trainerin beschäftigt sie sich zudem intensiv mit Vielfalt und unterschiedlichen Lebensrealitäten. Besonders interessiert sie sich für psychologische Themen und die Frage, was Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung bewegt und unterstützt.