„Der Weg zum WIR“: wie wir Beziehungen positiv gestalten

- im Gespräch mit Olaf Schwantes

 

Die aktuelle Situation hat auf jeden von uns ihren Einfluss. Sie wirkt sich nicht nur auf unseren Alltag, sondern auch auf unsere Emotionen aus. Als Love-Coach und Heilpraktiker für Psychotherapie haben wir in Olaf Schwantes einen Interviewpartner gefunden, der mit uns über die Gefühle spricht, die uns zur Zeit begegnen und uns Impulse an die Hand gibt, um unsere Beziehungen positiv zu gestalten.

Lieber Herr Schwantes, wie bei uns allen, hat sich sicherlich auch bei Ihnen der gewohnte Alltag geändert. Änderungen gehen häufig mit einem mulmigen Gefühl im Bauch einher. Wie gehen Sie damit um?

Angst zu haben ist eine normale menschliche Reaktion und völlig in Ordnung. Wichtig ist, wie man mit ihr umgeht. Wenn man ihr nichts entgegensetzen kann, läuft man Gefahr, von ihr überrollt zu werden. Mir hilft es, in diesen Momenten ein emotionales Ventil zu nutzen, um anschließend klare Entscheidungen treffen zu können. Bei mir heißt es dann Schuhe anziehen und ab in den Wald. Aber egal, ob es das Tanzen zur laut aufgedrehten Musik, das Schreiben in ein Tagebuch oder ein Home-Workout ist – wichtig ist nur, dass jeder einzelne sein Ventil kennt und es bewusst nutzt.

Wir beeinflussen unsere Gedanken also bewusst durch etwas Positives?

Genau, denn während für unser langfristiges Glücksgefühl die äußeren Umstände gerade einmal zu 10% verantwortlich sind, sind unsere Gedanken es zu 90%. Es geht also darum, wie wir unsere Außenwelt wahrnehmen und diese verarbeiten. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns um die Pflege unserer Gedanken genauso kümmern, wie um unsere Zähne beim routinemäßigen Zähneputzen. Wir können und sollten, gerade zu dieser Zeit, unser Gehirn als Muskel darauf trainieren, unsere Gedanken auf das Positive zu fokussieren. Damit möchte ich allerdings nicht sagen, dass wir zwanghaft in allem nur das Positive sehen müssen, um ein glückliches Leben zu führen. Auch die negativen Dinge sollten wir bewusst wahrnehmen – uns ein Bild von beiden Seiten machen. Dann muss es aber darum gehen, die guten Dinge in den Vordergrund zu stellen und zu schauen, was wir machen können und daraus unsere Kraft zum Handeln ziehen.

Viele von uns verbringen ja nun auch mehr Zeit als sonst mit ihrem Partner oder der Familie. Haben Sie Tipps, nicht nur für positive Gedanken, sondern auch ein positives Miteinander?

Vor dieser Zeit habe ich bereits bei vielen Paaren erlebt, dass sie nicht wissen, was sie gemeinsam unternehmen können. Auf der anderen Seite hat aber auch jeder von uns schon mal gesagt „Wenn ich mal die Zeit dazu habe, dann…“. Jetzt haben wir diese Zeit, nur leider nicht zu allem die Möglichkeit. Nutzen wir also doch einfach die gemeinsame Zeit, um uns hinzusetzen und alles aufzuschreiben, was wir machen möchten, sobald es wieder möglich ist. Quasi ein Parkplatz für unsere Ideen, um unseren Kopf von den Dingen zu leeren, die vorerst hintenangestellt werden müssen. Und wenn sich die Lage wieder entspannt, habt wir Vieles, auf das wir uns freuen können.

Ein schöner Tipp! Da entstehen sicherlich einige lange Listen. Was können wir denn tun, um die Zeit bis dorthin gemeinsam zu überbrücken?

Auch hier rate ich gerne wieder zu einer Liste. Listen sind sehr hilfreich für die Momente, in denen ein Lagerkoller entsteht und man nicht mehr klar denken kann. Nachdem die Gedanken auf das nicht Mögliche nun abgelegt sind, können wir uns darauf konzentrieren, was wir in der aktuellen Situation unternehmen können und möchten. Da aber nicht alle Interessen gleich sind, sollte die Liste aufgeteilt werden. Und zwar in Aktionen, denen man allein nachgeht, solche, die man sich als Paar vornimmt welche für die gesamte Familie.

Können Sie uns an dieser Stelle bereits konkrete Beispiele an die Hand geben?

Sehr gerne! Bevor man in die gemeinsamen Überlegungen geht, kann man die Zeit für eine Selbstreflexion nutzen. Sich darüber bewusstwerden, wo man steht und wo man hinmöchte. Wofür man in seiner Beziehung dankbar ist, wo man sich vielleicht auch Änderungen wünscht und was man gerne gemeinsam erleben möchte. Diese Erkenntnisse können anschließend ausgetauscht werden. Am besten so konkret wie möglich und in einer begrenzten Zeit. Sonst läuft man Gefahr, sich zu verfransen. Neben der Selbstreflexion kann man auch sehr gut in eine gemeinsame, offene Reflexion als Paar oder Familie gehen. Eine schöne Idee sind aber auch regelmäßige Spiele- und Filmabende, ein gemeinsames Picknick im Garten, auf dem Balkon oder eben auch im Wohnzimmer. Die lange liegen gelassenen Fotos – egal ob digital oder analog – können sortiert, weiterverarbeitet oder eben auch weggeschmissen werden. Oder ihr startet Projekte rund um euer Zuhause. Verteilt die Aufgaben und arbeitet zusammen auf das Ergebnis hin. So viel zur Theorie. Diese muss umgesetzt und ausprobiert werden, die Zeit dafür haben wir ja nun. Schauen wir mal darauf, wie es uns mit den verschiedenen Situationen und Gedanken geht und probieren uns immer weiter aus.

Vielen Dank, lieber Herr Schwantes, für das Gespräch und Ihre Inspirationen, mit unseren Emotionen und Gedanken umzugehen und unsere Beziehungen positiv zu gestalten!

 

 

Über Olaf Schwantes:

 

Seit 2010 ist Olaf Schwantes als Love-Coach in seiner eigenen Praxis tätig und begleitet Menschen auf dem Weg zu ihren starken und selbstbestimmten Beziehungen. Auf seinem Blog schreibt er regelmäßig Beiträge rund um die Themen Liebe und Partnerschaft. Und wer lieber zuhört als liest, für den gibt es seinen Podcast. Als Dozent hält er für die ALH-Akademie Webinare wie in der aktuellen kostenfreien Frühjahrsreihe.