Fantasiereisen - In die Welt der Träume abtauchen

Fantasiereisen - Blogartikel ALH Akademie

Entspannungsgeschichten für Jung und Alt

von Caroline de Jong, 02/23, Lesezeit: 5 Minuten

Menschen suchen immer wieder Wege für sich, ihr Wohlbefinden zu stärken und Entspannung zu erfahren. In dem hektischen Alltag braucht es hierfür oft gezielte Methoden, um gut in Balance zu kommen bzw. zu bleiben. So gibt es inzwischen eine Vielzahl von Techniken, die uns zu mehr Entspannung und damit zu Wohlbefinden verhelfen sollen. Eine sehr beliebte Technik in dem Bereich stellen Fantasiereisen oder auch Traumreise dar.

Fantasiereise oder Traumreise – was ist das genau und wo wird es eingesetzt?

Die Begriffe Fantasiereise und Traumreise werden oftmals synonym benutzt. Beide Begrifflichkeiten verweisen auf imaginative Techniken, bei denen es darum geht innerlich mit Hilfe von allen Sinnen Bilder oder auch Szenen lebendig werden zu lassen. Diese inneren Bilder lösen wiederum Gefühle in uns aus und beeinflussen unser Nervensystem und somit die Biochemie in unserem Körper. Außerdem kann durch ein Bild mit dem Unterbewusstsein kommuniziert werden und somit nicht nur Gefühle ausgelöst, sondern partiell auch Informationen zu Tage geholt werden.

Die verschiedenen Arten der Fantasiereisen machen sich dieses Potential auf verschiedenste Weise zu Nutze. So gibt es beispielsweise Fantasiereisen, die den Hauptfokus auf Entspannung setzen. Hierbei werden angenehme, uns entspannende Bilder imaginiert wie etwa ein Sonnenuntergang am Meer oder eine Wanderung in einem vitalisierenden Wald. Es gibt aber auch imaginative Techniken, die einen therapeutischen Zweck erfüllen sollen. In manchen tiefenpsychologischen, humanistischen Therapien werden Fantasiereisen beispielsweise u.a. zum Erkenntnisgewinn benutzt. Hierbei wird der Klient in der Regel erstmal mit vorgegebenen Bildern in eine tiefere Entspannung geführt, in innere Räume, aus denen die Erkenntnis aufsteigen kann. Dort angekommen gibt es dann in der Regel einen Teil in der Fantasiereise, der noch offen- und frei gestaltbar ist. Hier trifft man auf seiner Reise zum Beispiel auf eine alte weise Frau, die einem etwas ins Ohr flüstert oder man macht eine Schublade auf und findet darin etwas, das bewusst nicht betitelt wird. Dieses „Etwas“ kann genauso wie das Geflüster der weisen Frau, im Rahmen der Symbolik eine individuelle Botschaft vermitteln. In der Traumatherapie werden imaginative Verfahren zur psychischen Stabilisierung genutzt. In diesem Kontext wird allerdings nicht mehr der Begriff Traumreise oder Fantasiereise benutzt. Hier spricht man von imaginativen Verfahren oder man benennt spezifisch die jeweilige Technik und spricht dann von einem „Inneren Sicheren Ort“ oder von der „Tresorübung“. Einige der traumatherapeutischen Techniken findet man, teils etwas verwässert, aber auch im Entspannungssektor wieder.

Auch wenn man in Richtung Meditation schaut, begegnen einem Traumreisen. Hier werden sie gerne zur Kultivierung gewisser Geisteshaltungen oder -eigenschaften sowie zur inneren Reinigung und Beruhigung des Geistes eingesetzt.

Der Fantasie in Traumreisen sind keine Grenzen gesetzt

Es gibt nicht nur die verschiedenen Anwendungsbereiche der Fantasiereisen, sondern auch unglaublich viele verschiedene Traumreisen im Rahmen eines Anwendungssektors. So finden wir im Entspannungssektor Traumreisen zum Vorlesen, die realistische Bilder in uns wecken, wie der besagte Sonnenuntergang am Meer, aber auch welche, die uns dazu einladen sich unrealistische Szenarien vorzustellen wie bspw. Vogels gleich durch die Luft zu fliegen, auf einem Einhorn zu reiten oder Elfen zu begegnen. Der Fantasie sind bei Traumreisen, zwecks Entspannung, keine Grenzen gesetzt – Hauptsache sie entspannen 😉. So können sich Anleitende selbst Geschichten und Bilder ausdenken oder sich von anderswo inspirieren lassen.

Die imaginativen Verfahren in der Traumatherapie sind dabei deutlich festgelegter. Hier gibt es pro Übung teilweise klare Regeln, die den therapeutischen Nutzen gewährleisten sollen, sowie vorformulierte Texte für die jeweilige Übung.

Fantasiereisen zwecks Kultivierung von Geistesqualitäten, innerer Reinigung oder zum Erkenntnisgewinn, sind ein Stück durch ihre Zielsetzung festgelegter. So bietet sich ein klarer Gebirgssee für die Klärung des inneren Geistes mehr an als ein Saharasturm. Dennoch können hier die Bilder im Rahmen ihrer inneren Logik angepasst werden.


Wie sind Traumreisen aufgebaut?

Alle Fantasiereisen bestehen aus einer Einleitung, einem Hauptteil und einer Ausleitung. Die Einleitung hat immer das Ziel einen inneren Rahmen zu schaffen, in dem sich der Teilnehmende auf die Reise einlassen kann. Hierzu gehört es, dem Zuhörenden durch eine Anleitung in eine passende Körperhaltung zu verhelfen und ihm zu ermöglichen, zur Ruhe zu kommen. So kann er anschließend besser in die Fantasiereise abtauchen. Die Möglichkeiten eine solche Einleitung umzusetzen sind vielfältig. Sie kann hypnotische Elemente umfassen, Elemente aus der Achtsamkeit beinhalten oder einfach nur dazu einladen die Augen zu schließen und zwei bis dreimal tief ein- und auszuatmen. Die Körperhaltung kann je nach Kontext variieren. Fantasiereisen zur reinen Entspannung werden meist liegend durchgeführt, da der Körper durch die breite Auflagefläche am leichtesten loslassen kann. In anderen Kontexten wird aber gern das entspannt aufrichte Sitzen gewählt. Stehend werden Fantasie- oder Traumreisen so gut wie nie durchgeführt, es sei denn es liegen körperliche Erkrankungen vor, die schmerzfreies Sitzen oder liegen nicht möglich machen.

Im Hauptteil wird die „eigentliche“ Imagination angeleitet. Diese kann verschiedene Formen annehmen. Der Fantasie sind hier tatsächlich keine Grenzen gesetzt. Fantasiereisen machen sich die Bauweise unseres Gehirns zu Nutze, das kaum zwischen Realität und Fantasie unterscheiden kann. Erst recht nicht, wenn wie in der Realität alle Sinne angesprochen werden. Auf welche Weise genau das geschehen kann hängt von der angeleiteten Form ab. Zum Abschluss gibt es eine Ausleitung, bei der es darum geht, die inneren Bilder ziehen zu lassen und wieder im Hier und Jetzt anzukommen.

Formen der Fantasiereise

Es gibt geschlossene Fantasiereisen, bei denen alle Bilder sowie auch Sinneseindrücke vorgegeben werden. Es wird angesagt, was die Leute in welchen Farben sehen, was sie hören, was sie auf der Haut spüren, riechen und ggf. schmecken sollen. Dann gibt es halboffene Fantasiereisen. Hier werden ebenfalls viele Bilder und Sinneseindrücke vorgegeben, allerdings auch Raum für die eigene Gestaltung. So könnten hier beispielsweise auch Sätze fallen wie: „Was siehst Du, wenn Du die Schublade öffnest?“ Oder wie: „Du hast Zeit Dich hier umzugucken und es Dir auf Deine ganz eigene Weise bequem zu machen.“

Die dritte Form sind die offenen Fantasiereisen, wie beispielsweise der „Ort der Ruhe und der Kraft“. Dies ist eine vom „Inneren Sicheren Ort“ abgeleitete Entspannungstechnik. Hier werden keine Bilder vorgegeben, sondern offene Fragen, die zum individuellen Imaginieren einladen. So können Teilnehmende ihren eigenen, individuellen Ort vor dem inneren Auge entstehen lassen, indem sie ganz persönlich auftanken und entspannen können. Dann gibt es noch die traumatherapeutischen Techniken, die teils offen und teils halboffen sind und neben dem Einbeziehen der Sinne noch andere Regeln umfassen, um eine gewisse Funktionalität der Technik bei traumatisierten Menschen zu gewährleisten. So ist bei der Anleitung des „Inneren Sicheren Ortes“ beispielsweise wichtig, dass die Person einen Ort wählt, der in Wirklichkeit nicht existiert, um die fortbestehende Sicherheit hier zu gewährleisten. Aus dem gleichen Grund sollen auch keine anderen lebenden Menschen oder Tiere mit in den Ort, da aufgrund von Streit, Enttäuschung, Tod etc. diese Menschen/Tiere Auslöser für Schmerz oder Angst werden können und damit den „Inneren Sicheren Ort“ nicht mehr als vollständig sicher erscheinen lassen.

Vor- und Nachteile der verschiedenen Formen

Wie bei allem im Leben so haben auch die einzelnen Anleitungsformen ihre Vor- und Nachteile. Geschlossene Formen haben den großen Vorteil, dass jemand sich in die Anleitung ganz fallenlassen kann. Der Teilnehmende muss selbst nichts entscheiden und kommt somit nicht in die Qual der Wahl. Sie haben aber die Crux, dass man als Anleiter in ein Fettnäpfchen treten kann. So wird ein unter Heuschnupfen leidender Teilnehmende sich sicher nicht gut auf einer Frühlingswiese entspannen können. Genauso wenig wie jemand, der mal im Meer ertrunken ist, das Meeresrauschen wahrscheinlich nicht mehr als entspannend erlebt, sondern es im schlimmsten Fall stattdessen eine Panikattacke in ihm/ihr auslöst.

Offene Formen können diese Tücken leicht umschiffen, da jeder frei in der Ausschmückung des Bildes ist. Aber hier gibt es dafür andere Herausforderungen. Im Teilnehmenden können so viele verschiedene innere Bilder auftauchen, dass er oder sie nicht weiß, für welches sie sich in dem Moment entscheiden sollen. Sie können mit der Angst, die falsche Wahl zu treffen konfrontiert sein und keinen richtigen Einstieg in die Übung finden. Die halboffene Form beinhaltet beide Herausforderungen und Potentiale. Mit etwas Übung, ein paar guten Tricks und dem Kennenlernen seiner Teilnehmenden kann aber jeder in jeglicher Form gute Anleitungsmöglichkeiten finden. Menschen lieben in der Regel Fantasiereisen und können sich sehr gut darauf einlassen. So stellt diese Technik in der Regel einen sehr guten Einstieg dar, besser als viele andere Techniken. Also einfach machen und ausprobieren 😉.

Autorin Caroline de Jong

Über Caroline de Jong

Caroline de Jong arbeitet mit ihrem Hintergrund als Psychologin (MSc.), Körper-Psychotherapeutin, Achtsamkeits- und Yogalehrerin sowohl als Studientutorin als auch als Dozentin an der ALH-Akademie, an der sie u.a. die Ausbildung zum Achtsamkeitstrainer und Happiness Trainer entwickelt hat und betreut. Seit über 15 Jahren beschäftigt sie sich mit Positiver Psychologie, Bewusstseinsentwicklung und Ganzwerdung und freut sich über jeden, der auf diese Themen neugierig ist.

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