Nutze die Kraft, die in dir steckt!

Der Held, der uns auf einem Schimmel in das gemeinsame Glück entführt; der lang ersehnte Lotto-Gewinn; der tolle, gut bezahlte Job … solche Vorstellungen haben eins gemeinsam: Das vermeintliche Glück kommt von außen zu uns, wir selbst haben wenig Einfluss darauf.

Wie vielversprechend sind solche Strategien, um glücklich zu werden?

Die Möglichkeiten der Psychologie, das Denken, Fühlen und Handeln von Menschen zu beeinflussen, wurde lange Zeit vor allem in der Arbeit mit psychisch belasteten Menschen eingesetzt, der Blick dadurch hauptsächlich auf Defizite und Schwächen gerichtet.

„Wer nach dem Haar sucht, dem entgeht die Suppe.“ (Bert Hellinger)

Der amerikanische Psychologe Martin Seligman wurde in den 60er Jahren durch Forschungen zur Entstehung von Depressionen unter dem Begriff „Erlernte Hilflosigkeit“ bekannt und erlebte den Blick auf das Negative in seiner Arbeit als Psychotherapeut über Jahrzehnte selbst. In seiner Antrittsrede als Präsident der Amerikanischen Psychologen-Vereinigung (APA) Ende der 90er Jahre forderte er seine Kollegen auf, den Blick auch öfter mal auf die positiven Seiten der Psyche zu richten und zu erforschen, was das Leben lebenswert macht - und rannte damit offene Türen ein. Er gilt als Begründer der Positiven Psychologie als wissenschaftliche Forschungsdisziplin und hat mit seinem Konzept des “flourish” den Fokus auf das Wohlbefinden, auf ein “gelingendes Leben” gelegt.

Dieses Aufblühen setzt sich aus fünf Bereichen zusammen, die das Akronym “PERMA” bilden:

Aber was bringen uns die wissenschaftliche Forschung und solche Konzepte?

Die Antwort ist: Wenn wir es wollen, eine Menge! Sie eröffnen uns die Möglichkeit, das eigene Glück selbst in die Hand zu nehmen. Denn anders als das in den 80er und 90er Jahren propagierte „Positive Denken“, das Menschen dazu verleitete, die Realität auszublenden und gerne als Ideologie vor allem von selbst ernannten „Gurus“ ohne fundierte Ausbildung verbreitet wurde, stellt uns die Positive Psychologie Methoden zur Verfügung, deren Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist. Sie nutzt unsere Stärken und Ressourcen, so dass wir uns individuell und authentisch weiterentwickeln können.

Hier geht es nicht darum, negative Emotionen zu vermeiden, sondern den positiven Dingen in unserem Leben mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Hoffnung, Liebe und Dankbarkeit sind beispielsweise positive Emotionen, auf die wir uns bewusst fokussieren und die wir mit kleinen Übungen trainieren können.

In diesem Bereich spielt das sogenannte Flow-Erleben eine große Rolle - das sind Erfahrungen, bei denen wir ganz in dem, was wir tun, aufgehen. Ein Zustand jenseits von Angst und Langeweile, in dem wir unsere Stärken einsetzen und Herausforderungen bewältigen können, ohne überfordert zu sein.

Hier muss es nicht der Held sein - es geht vielmehr um stützende, fördernde Netzwerke, auf die wir uns auch verlassen können, wenn der Himmel nicht voller Geigen hängt. Menschen, mit denen wir lachen und weinen können. Diese Beziehungen können wir stärken, indem wir z.B. unseren Kommunikationsstil verbessern - gut zuhören, interessiert nachfragen und positive Emotionen zum Ausdruck bringen. Auch das können wir trainieren.

Wieviel Zeit unseres Alltags verbringen wir mit Dingen, die uns wirklich wichtig sind? Und was ist uns überhaupt wichtig in unserem Leben? Woran glauben wir? Das sind Fragen, deren Beantwortung uns auf dem Weg zu mehr Wohlbefinden voranbringen kann.

Um unsere Werte zu verwirklichen, brauchen wir konkrete realistische Ziele. Es steigert unser Selbstwertgefühl und damit unser Wohlbefinden, wenn wir Ziele erreichen. Große Ziele sollten wir in Teilziele aufteilen und die Etappensiege bewusst wahrnehmen und würdigen.

Also: Nutze die Methoden des Happiness Trainings, schwing Dich selbst auf den Schimmel und entscheide, wo es langgeht auf Deiner Reise zu mehr Glück und Wohlbefinden.

Übung

Mein Stärken-Stammbaum

Für diese Übung brauchst Du: einen großen Bogen Papier, farbige Stifte, ggf. alte Zeitschriften oder Werbepostkarten und Kleber

So geht’s: Zeichne einen schönen Baum auf den großen Papierbogen - ganz wie er Dir gefällt, es ist Dein persönlicher Stärken-Stammbaum. Nun nimm Dir Zeit und überlege Dir zu jedem Deiner Ahnen, welche besondere Stärke für diesen Menschen charakteristisch war oder ist. Schreibe diese Stärke in Deine Zeichnung und male oder klebe Motive aus den Zeitschriften oder Postkarten dazu, die für Dich diese Stärke ausdrückt oder unterstreicht.

Wenn Du in Deiner Ahnenreihe zu Personen kommst, die Du nicht sonderlich magst oder mit denen Du in Konflikt bist: Versuche auch bei diesen Personen die wesentliche Stärke positiv zu benennen und mit in Deinen Baum aufzunehmen - so kannst Du z.B. die „Sturheit“ Deines Vaters, die Dich gelegentlich ziemlich nervt, in Deinem Stärken-Stammbaum als „Beharrlichkeit“ integrieren.

Wenn Du fertig bist, leg Dein Kunstwerk für mindestens einen Tag beiseite.

Und dann kommt der Tag der „Vernissage“: Gestalte ihn ruhig ein wenig feierlich und betrachte Deinen Stärken-Stammbaum ausgiebig und neugierig: Alle diese Stärken gibt es auch in Dir! Lass Dich davon inspirieren und nutze sie, wenn sich die nächste Gelegenheit bietet.

Über Christina Clayton:

Christina Clayton, M.A. Psychosoziale Beratung und Therapie, vertritt aus persönlicher Überzeugung stärken- und ressourcenorientierte Ansätze in Beratung, Training und Therapie. Sie entwickelt für die ALH-Akademie psychologische Lehrgänge und hat mit einem Partner die erste deutschsprachige App mit einem 8-wöchigen Trainingsprogramm für Positive Psychologie entwickelt (hapappy.de).

An der ALH-Akademie erwerben Studierende berufsbegleitend in Ausbildungen wie dem Happiness Trainer, dem Achtsamkeitstrainer, dem Resilienztrainer, dem Psychologischen Berater u.v.m. das Fachwissen und die persönlichen Kompetenzen, um Methoden der positiven Psychologie und des Happiness Trainings anzuwenden und zu einem glücklichen und gelingenden Leben beizutragen.