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Trauma Bonding in Paarbeziehungen verstehen und lösen

Caroline Hasenberg, 01/26, Lesezeit: 5 Minuten

Toxische Beziehungen können uns in einem ungesunden und schmerzhaften Kreislauf gefangen halten. Ein besonders herausforderndes Phänomen in diesem Kontext ist das Trauma Bonding. Dabei handelt es sich um eine intensive emotionale Bindung, die durch Missbrauch und Manipulation entsteht. Diese Verbindungen sind schwer zu erkennen und noch schwerer zu lösen – doch es ist möglich.

Woran Trauma Bonding zu erkennen ist und wie es gelöst werden kann, erfährst Du in diesem Artikel.

Zwei Hände halten ein schwarzes Herz aus Papier

Definition und Entstehung von Trauma Bonding

Trauma Bonding bezeichnet eine Bindung, die zwischen einem Opfer und einem Täter entsteht, insbesondere in Beziehungen, die von Missbrauch und Manipulation geprägt sind. Der Begriff dient der Erklärung, warum Opfer in schädlichen Beziehungen bleiben, obwohl sie leiden.

Wie entsteht Trauma Bonding?

Diese Bindung entsteht durch einen wiederkehrenden Kreislauf aus Missbrauch und Belohnung. Der Täter fügt dem Opfer Schmerz und Leid zu (z. B. durch Kritik, Kontrolle oder Gewalt) und zeigt dann phasenweise Zuwendung, Reue oder Liebe. Dieser Wechsel schafft Verwirrung und eine emotionale Abhängigkeit, da das Opfer ständig auf die nächste Phase der Zuwendung hofft.

Unterschied zu gesunden Bindungen

Während gesunde Beziehungen auf gegenseitigem Respekt, Vertrauen und emotionaler Stabilität beruhen, sind Trauma Bonds von Manipulation, Abhängigkeit und einem starken Ungleichgewicht geprägt. Das Opfer verliert zunehmend das Gefühl für die eigene Identität und die Fähigkeit, klare Grenzen zu setzen. Es kann nicht mehr dazwischen unterscheiden, welche Handlungen in einer Beziehung gesund sind und von welchen man sich dringend distanzieren sollte. Auch vermeidende Bindungsstile lassen sich von Trauma Bonds unterscheiden. Sie entstehen aufgrund von Abweisung und dem Ausbleiben von Resonanz, was nicht mit Manipulation oder Abhängigkeit zu tun hat.

Ursachen und Auslöser von Trauma Bonding

Anzeichen und Symptome von Trauma Bonding

Warum Trauma Bonding so schwer zu durchbrechen ist

  1. Bindung an den Täter trotz Missbrauchs: Durch den Kreislauf aus Schmerz und Zuwendung entsteht eine emotionale Abhängigkeit, die vergleichbar mit einer Sucht ist.
  2. Angst vor dem Unbekannten und Einsamkeit: Für viele Opfer ist die Angst, allein zu sein oder die vertraute Dynamik zu verlassen, größer als der Wunsch nach Freiheit.
  3. Verstärkung durch Selbstzweifel: Täter untergraben systematisch das Selbstwertgefühl des Opfers, sodass es glaubt, keine andere Beziehung zu verdienen.

Erste Schritte zur Lösung eines Trauma Bonds

Bereits mit kleinen Schritten kannst Du es schaffen, das Trauma Bonding langsam aufzulösen. Mach Dir dazu bewusst, dass es dazu keinen großen Schritten bedarf, sondern einfach einen Anfang. Startest Du einmal damit anzuerkennen, dass Du zu Deinem Wohl etwas ändern solltest, ist das Schwierigste geschafft und der Heilungsprozess wird sich Stück für Stück allein ergeben. Auf geht´s:

Frau sitzt traurig mit dem Rücken zu ihrem Partner

Praktische Methoden zur Überwindung von Trauma Bonding

Tagebuch führen

Schreibe Deine Gedanken und Erlebnisse auf. Das hilft, emotionale Muster zu erkennen und Klarheit über Deine Situation zu gewinnen. Auf diese Weise drückst Du innere Vorgänge aus und Dir werden Dynamiken bewusster und Du trägst diese nicht in Dir.

Achtsamkeit und Selbstreflexion

Übe, im Hier und Jetzt zu sein, und reflektiere, welche Bedürfnisse und Wünsche Du hast. Dazu helfen Atemübungen, das bewusste Erleben von Momenten oder sich ausreichend Zeit für Mahlzeiten nehmen.

Negative Glaubenssätze auflösen

Identifiziere Überzeugungen wie „Ich bin nicht gut genug“ und ersetze sie durch positive Affirmationen, wie zum Beispiel „Ich reiche genauso aus, wie ich bin.“ Dies bedarf etwas Übung und einigen Wiederholungen, damit sich die positiven Kognitionen im Gehirn festsetzen. Gib nicht auf!

Visualisierung eines gesunden Lebens

Stelle Dir vor, wie Dein Leben ohne den Täter aussieht – frei, selbstbestimmt und erfüllt. Halte daran fest und glaube daran, dass sich diese Vorstellung erfüllen wird.

Langfristige Strategien zur Heilung

Trauma Bonding zu verstehen und zu lösen ist ein herausfordernder, aber lohnender Prozess. Indem Du erkennst, dass Du in einer toxischen Bindung gefangen bist, und Schritt für Schritt daran arbeitest, Dich zu lösen, kannst Du den Weg in ein freies, selbstbestimmtes Leben finden. Du verdienst gesunde und liebevolle Beziehungen – gib Dir selbst die Chance, diese zu erleben.

Du bist stärker, als Du denkst, und der erste Schritt zur Heilung beginnt heute.

Caroline Hasenberg

Über Caroline Hasenberg

Caroline ist an der ALH für die Studienorganisation und das Dozentenhandling zuständig. Sie koordiniert die Zusammenarbeit zwischen Dozentinnen und Dozenten sowie Autorinnen und Autoren und dem ALH-Team, begleitet die Weiterentwicklung bestehender Lehrgänge und ist zugleich an der Konzeption neuer Inhalte beteiligt.

Darüber hinaus berät und betreut sie unsere Teilnehmenden während ihres Studiums und steht ihnen bei organisatorischen und inhaltlichen Fragen als Ansprechpartnerin zur Seite. Ihre Ausbildung und ihr Studium im pädagogischen, theologischen und bildungswissenschaftlichen Bereich bilden dabei die fachliche Grundlage für ihre Arbeit.

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